Die Volkshochschule verlässt nach 30 Jahren das Europaviertel und zieht schrittweise in die Luisenstraße – mit mehr Platz und neuen Angeboten.
Nach drei Jahrzehnten im Europaviertel beginnt für die Volkshochschule Wiesbaden eine neue Ära. Mit der Unterzeichnung des Mietvertrags ist der Weg frei für den neuen Standort in der Luisenstraße, mitten im Herzen der Innenstadt. Der Umzug soll nicht nur bessere räumliche Bedingungen schaffen, sondern auch die Erwachsenenbildung sichtbarer machen und der Innenstadt zusätzliche Impulse verleihen.
Mit ihren Teilnehmern zählt die Volkshochschule zu den wichtigsten Bildungseinrichtungen der Stadt. Dass sie künftig in unmittelbarer Nähe zur Wilhelmstraße und damit deutlich zentraler erreichbar sein wird, ist für die Verantwortlichen weit mehr als ein Ortswechsel. Es ist eine strategische Entscheidung für die Zukunft der Erwachsenenbildung.
Historisches Gebäude erhält neue Aufgabe
Den Mietvertrag unterzeichneten Kulturdezernent und VHS-Vorsitzender Dr. Hendrik Schmehl, Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende sowie Herbert Keilhammer, Geschäftsführer der Servator Immobilien GmbH & Co. KG. Die Immobilie an der Luisenstraße 4 bis 6 blickt auf eine lange Geschichte zurück. Das repräsentative Gebäude war einst das ehemalige „Hotel Metropole“, eines der wichtigen Grandhotels der ehemaligen Weltkurstadt.
Herbert Keilhammer freut sich über den neuen Mieter. „Wir freuen uns auf die gute Zusammenarbeit und sind ein kleines bisschen stolz, einen Mieter mit öffentlichem Bildungsauftrag gewonnen zu haben“, sagte der Eigentümer bei der Vertragsunterzeichnung.
Mehr Raum für ein wachsendes Bildungsangebot
Der Umzug ist auch eine Reaktion auf den stetigen Wandel der Erwachsenenbildung. Während früher klassische Sprach- oder Computerkurse dominierten, wächst heute die Nachfrage nach Gesundheitsangeboten, beruflicher Weiterbildung, Integrationskursen und kulturellen Veranstaltungen kontinuierlich.
An manchen Tagen besuchen inzwischen mehr als tausend Menschen die Volkshochschule. Die bisherigen Räume stoßen deshalb zunehmend an ihre Grenzen. „Der neue Standort bietet deutlich größere Kursräume, und die zentrale Lage verbessert die Erreichbarkeit auch mit dem öffentlichen Nahverkehr noch einmal merklich“, erklärt Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl. Neue Räume eröffneten zugleich neue Möglichkeiten für die Bürger der Stadt.
Die modern ausgestatteten Unterrichtsräume werden klimatisiert und barrierefrei zugänglich sein. Gleichzeitig bleibt der historische Charakter des Gebäudes erhalten. Diese Verbindung aus Tradition und moderner Infrastruktur soll künftig neue Veranstaltungsformate ermöglichen.
Lehrküche und Veranstaltungssaal erweitern das Angebot
Besonders deutlich zeigt sich der Wandel am geplanten Raumkonzept. Erstmals erhält die Volkshochschule eine eigene Lehrküche, in der künftig Kochkurse und Ernährungsangebote stattfinden können.
Hinzu kommt ein großer historischer Saal mit Blick zur Wilhelmstraße. Dort sollen Vorträge, kulturelle Veranstaltungen und Kooperationen unter anderem mit dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden stattfinden. Die Volkshochschule möchte sich damit stärker als offener Treffpunkt etablieren, an dem Bildung, Kultur und gesellschaftlicher Austausch zusammenkommen.
Auch wirtschaftlich bietet der Umzug Vorteile. Obwohl die Flächen deutlich besser auf die Bedürfnisse der VHS zugeschnitten sind, bleibt die Miete nach Angaben der Stadt nahezu auf dem bisherigen Niveau. Möglich wurde dies, weil der Eigentümer die Anforderungen der Bildungseinrichtung bei der Planung berücksichtigte.
Umzug erfolgt in zwei Schritten
Bis die Volkshochschule vollständig im neuen Gebäude angekommen ist, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Der ursprünglich für den Sommer geplante erste Umzugsschritt verschiebt sich in die Herbstferien. Ab Oktober zieht zunächst die Anmeldung in das Ladenlokal der Luisenstraße um. Parallel beginnen dort erste Kurse des Fachbereichs „Arbeit & Beruf“ im Gebäude Luisenstraße 6 im Innenhof.
Im kommenden Jahr folgen anschließend die Bereiche Gesundheit und Natur, Deutsch, Fremdsprachen sowie das Grundbildungszentrum. Die Villa Schnitzler bleibt weiterhin als zusätzlicher Standort erhalten.
Sobald alle Genehmigungen vorliegen und die Bauarbeiten abgeschlossen sind, sollen auch der historische Saal und die neue Lehrküche vollständig genutzt werden können. VHS-Direktorin Dr. Stephanie Dreyfürst rechnet damit, dass der komplette Umzug bis zum Sommer 2027 abgeschlossen sein kann.
Impuls für die Innenstadt
Für Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende reicht die Bedeutung des Projekts weit über die Volkshochschule hinaus. Mit mehreren tausend Besuchern pro Woche werde die Bildungseinrichtung künftig auch das Leben in der Innenstadt bereichern. „Die VHS im Herzen der Stadt anzusiedeln ist nicht nur eine gute Lösung für die Einrichtung selbst, sondern auch für die Belebung der Innenstadt“, betonte Mende.
Mit dem Umzug gewinnt Wiesbaden damit nicht nur moderne Räume für die Erwachsenenbildung. Die Volkshochschule rückt zugleich näher an das kulturelle Leben der Stadt heran – und macht Bildung künftig dort sichtbar, wo täglich tausende Menschen unterwegs sind
Foto – Von links nach rechts: Dr. Hendrik Schmehl (Kulturdezernent und Vorsitzender der vhs Wiesbaden), Dr. Stephanie Dreyfürst (Direktorin der vhs Wiesbaden), Herbert Keilhammer (Geschäftsführer der Servator Immobilien GmbH & Co. KG), Fabian Steiner (Servator Immobilien GmbH & Co. KG), Thomas von Briel (Hausverwaltung Luisenstraße) ©2025 LH Wiesbaden
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