Im ersten Notruf hieß es: „Verdacht auf Gasaustritt“. Die Berufsfeuerwehr konnte das nicht bestätigen. Eine allergische Reaktion war es ebensowenig: Pollenalarm aber schon.

Feiner Härchen und Pollenstaub sind für Windböen sehr empfänglich. Schnell können sich bei kräftigen Winden Pollenwolken entwickeln. Die natürliche Pollenkonzentration der Luft ist damit deutlich erhöht. Pollenalarm. Wie das Schulamt der Stadt informiert, ist exakt das vergangenen Mittwoch an der Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule in Biebrich geschehen.

Rückblick: Was ist geschehen?

In der Gesamtschule Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule ist es 11. Mai und in deutlich geringerem Maße auch am Freitag, 13. Mai bei mehreren Schülern und Lehrern zu einer Reizung der Augen, des Nasen-Rachenraums sowie der Bronchien mit Atembeschwerden gekommen. Untersuchungen haben ergeben dass der Auslöser dafür Pflanzenhärchen waren. Allergiker kennen diese gut. Vor allem in der Wachstumsperiode sind sie im Frühjahr auf Blättern, Ästen und Knospen von Platanen zu finden – Platanen, die es im Umfeld der Schule zu genüge gibt. Es handelt sich dabei um sogenannte Trichome, die auch auf den Oberflächen anderer Pflanzenarten vorkommen. Die Feuerwehr konnte hingegen keine Hinweise auf Belastungen durch Gase feststellen.

Keine Allergische Reaktion

Die Reizung war rein mechanisch und kann bei allen Personen, die solche Trichome in größerem Umfang einatmen, auftreten. Es handelte sich also nicht um eine klassische allergische Reaktion wie man sie vom Heuschnupfen her kennt, sondern um eine mechanische Reizung von Augen und Atemwegen, am ehesten vergleichbar mit dem Einatmen hoher Konzentrationen von Staubpartikeln oder Sand in der Luft. Dies war zwar für die Betroffenen kurzzeitig sehr unangenehm, aber nicht gesundheitsgefährdend im eigentlichen Sinne. Bleibende Schäden entstehen dadurch nicht.

Panikattacken auf dem Schulhof

Die Atemnot in Kombination mit der anfangs noch unklaren Ursache hat bei vielen Schülern ein starkes Angsterleben bis hin zu Panikattacken und Hyperventilation ausgelöst. Hypervetiliert ein Mensch, kann es in der Folge zu einer Ohnmacht, zu Blässe, Schwindel und Kopfschmerzen kommen. Soweit bekannt ist, wurden 25 Personen aufgrund von Panikreaktionen und Hyperventilation in die zuständige Kinderklinik der HSK eingewiesen.

Einatmen von Gasen oder Rauch

Da der bei der Leitstelle der Berufsfeuerwehr eingehenden Notruf zunächst Verdacht auf Gasaustritt lautete und mehrere Schüler bereits aus der Klinik entlassen wurden bevor das Ergebnis einer Laboranalyse vorlag, steht in einigen mitgegebenen Arztbriefen als vorläufige Diagnose Einatmen von Gasen oder Rauch mit der ICD-Nummer T 59.9 der internationalen Klassifikation der Krankheiten der WHO. Das bedeutet aber nicht, dass eine Vergiftung mit einem Reizgas vorgelegen hat.

Trichome gebunden

Bei der hohen Trichombelastung am Mittwoch kamen laut Umwelt- und Grünflächenamt Faktoren wie starke Blühperiode, Hitze und Trockenheit, Wind zusammen, weshalb von einem äußerst seltenen Ereignis auszugehen ist. Nichtsdestotrotz wurde der Schulhof mehrfach nass gereinigt, um eine Ansammlung von Trichomen und Pollen zu verhindern. Der starke Regenfall am Montag, 16. Mai, hat laut Umwelt- und Grünflächenamt in erheblichem Maß zur Verminderung der Trichom- und Pollenbelastung auf dem Schulhof geführt. Im Nachgang wurden die Platanen auf dem Schulgelände zudem von einer Fachfirma mit einem Wasser-Pektin-Gemisch besprüht, um verbliebene Trichome zu binden. Bei diesem Gemisch handelt es sich um einen natürlichen Stoff, der die Pollen und Härchen an den Bäumen verklebt und deren Verbreitung verhindert. Schüler sowie Lehrkräfte, die zum Beispiel aufgrund einer asthmatischen Vorerkrankung eine Belastung für sich darüber hinaus weiter reduzieren möchten, können das Einatmen der Trichome im Außengelände durch das Tragen einer gut sitzenden OP- oder FFP2-Maske nahezu vollständig ausschließen.

Bild oben @2022 Wiesbaden lebt

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Die Internetseite der Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule finden Sie unter riehlschule.de.

 

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