Wiesbaden erinnert mit einer Gedenktafel an Marek Hłasko – einen Autor, der Literatur, Politik und Biografie untrennbar verband.
In der Hauberrisserstraße 26 trägt ein unscheinbares Wohnhaus Geschichte. Eine jetzt installierte Gedenktafel erinnert daran und ruft den polnischen Schriftsteller Marek Hłasko ins Gedächtnis. Die Stadt verankert damit Weltliteratur im Wiesbadener Alltag. Die Initiative geht vom Deutsch-Polnischen Verein Wiesbaden aus. Anlass ist das in Polen ausgerufene Jahr von Marek Hłasko. Das Stadtarchiv gestaltete die Tafel und gibt ihr Gewicht: Sie erinnert nicht nur, sie ordnet ein.
Marek Hłasko
Marek Hłasko wuchs im Schatten des Zweiten Weltkriegs auf. Die frühen Jahre prägten Verlust, Flucht und zerrissene Familienverhältnisse. Nach der Scheidung der Eltern und dem Tod des Vaters zog er mit seiner Mutter mehrfach durch das zerstörte Polen, ehe sie sich 1946 in Breslau niederließen. Hłasko brach eine Ausbildung ab, arbeitete als Gelegenheitsarbeiter und verdiente seinen Lebensunterhalt zeitweise als Lkw-Fahrer. Früh schrieb er unablässig. Als Arbeiterkorrespondent der Trybuna Ludu knüpfte er literarische Kontakte, ein Stipendium ermöglichte ihm ab 1953 das Schreiben. Mit „Der erste Schritt in den Wolken“ wurde er bekannt. Politische Konflikte zwangen ihn ins Exil. 1969 starb Hłasko in Wiesbaden, und seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Wiesbadener Südfriedhof.
Hłasko schrieb früh, schnell und gegen Widerstände. Geboren 1934 in Warschau, wächst er zwischen Trümmern und Spannungen auf. Er beginnt eine Ausbildung, bricht ab, arbeitet, beobachtet – und formuliert. Als Arbeiterkorrespondent der Tageszeitung Trybuna Ludu schärft er seinen Blick. Ein Stipendium des Polnischen Schriftstellerverbands öffnet Türen, doch Hłasko stößt sie nicht leise auf. Sein Debüt erscheint 1954, der Durchbruch folgt mit dem Erzählband „Der erste Schritt in den Wolken“. Die Prosa ist direkt, die Figuren stolpern durch Hoffnungen, die Sätze halten stand.
Ruhm, Reibung, Reise
Filmemacher entdecken die Wucht seiner Geschichten. Bei den Dreharbeiten zu „Der achte Wochentag“ lernt Hłasko Sonja Ziemann kennen, später heiratet er sie. Preise folgen, darunter der Preis der Polnischen Verleger. Doch Hłasko widerspricht offen, kritisiert Sozialismus und Regierung – und zahlt den Preis. Nach Auslandsaufenthalten verweigert man ihm die Rückkehr. Er lebt in West-Berlin, Israel, der Schweiz, den USA. Er schreibt weiter, reist weiter, bleibt unbequem.
Wiesbaden als letzter Ort
1969 führt ihn ein Filmprojekt nach Wiesbaden. Ein Treffen mit einem Produzenten steht an. Am 14. Juni stirbt Hłasko im Haus in der Hauberrisserstraße 26. Die Stadt bewahrt Erinnerung: Ein symbolisches Grab liegt auf dem Südfriedhof. 1975 überführt man seine sterblichen Überreste nach Warschau. Die neue Gedenktafel schließt den Kreis – sachlich, würdig, sichtbar.
Foto – Gedenktafel ©2025 LH Wiesbaden
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