Ein verlorenes Versprechen der Vergangenheit, versteckt in tot entkernten Häuserblocks, der schmutzig stinkende Schandfleck: eine Ruine – freigegeben zum Abriss! Das ist die Biennale 2018!

Tauben und Ratten haben sie längst erobert. Ein nutzloses Wasteland, das Neubauträume beflügelt: die City Passage. Machen Sie bloß einen großen Bogen um diese hässliche Narbe der Wiesbadener Innenstadt. Oder Sie lassen sich im Rahmen der Biennale verführen … Halten Sie Ausschau nach dem Eingang und entdecken Sie unvermutetes Leben hinter den Häuserfassaden einer längst vergessenen Geschichte. Zehn Künstler eröffnen die City Passage! Sie entführen Sie täglich von 15 bis 21 Uhr in verschlossene Welten, poetische Abgründe und tanzende Zerstörung. Nichts ist sicher, manches schwer zu finden, ein Wasteland,das es zu erforschen gilt!  Der Eintritt ist frei.

Spurensuche in der City-Passage in Wiesbaden. ©2018 Biennale 2018

Spurensuche in der City-Passage in Wiesbaden. ©2018 Biennale 2018

Die City Passage

Automatenmenschen mit goldenen Badekappen und aufgerissenen Augen. Dazu ein fünfköpfiges Trompetenensemble, das einen Disco-Satie spielt und Notenständer als Gewehre oder Stierhörner zweckentfremdet. Von Rülpswettbewerben über Madame-Butterfly-Parodien bis zum Hitlerbärtchen lässt die kapverdische Ausnahme-Choreografin Marlene Monteiro Freitas nichts aus, um Hochkultur als Zombietanz zu zelebrieren! Sie eröffnet die leerstehende City Passage mit einer dadaistischen Performance, die Geisterbeschwörung, Totentanz und Lebenssucht in einem ist. Aggressiv albern und verstörend befremdlich. Auf den Spuren von Euripides’ „Die Bakchen“ versetzt Freitas die City Passage in den kultischen Ausnahmezustand. Doch bei ihr jagt nicht der beleidigte Gott Dionysos anständige Bürgerinnen aus der schützenden Stadt, sondern uns alle hinein in die Lust am Abgründigen! 

? 135 Minuten ? Ohne Sprache ? DO 23.8. / FR 24.8. ? 21 Uhr ? CITY PASSAGE ? Eingang von der Kirchgasse ? 25 Euro / erm. 15 Euro

Lieblingsgetränk der Deutschen

Bier ist das Nationalgetränk der Deutschen, auch wenn der Rheingauer Riesling noch so gut sein mag. Jede dritte Brauerei der Welt steht hier und über 5000 Biermarken werden im Oktoberfest-Land angeboten! Zeit für eine performativ-prollige Kostprobe mit Rauschpotenzial. Die portugiesische Star-Schauspielerin Paula Sá Nogueira entführt eine eingeschworene Publikumsschar zum lustvollen Kontrollverlust! Für nur 15 Euro – alle Getränke sind inklusive – und mit kulturellen Highlights des Schriftstellers Afonso Cruz, dessen Roman Auch Jesus trank schon Bier zum besten Roman des Jahres 2015 gekürt wurde! Schnell buchen, es gibt nur wenige Plätze! Eintritt erst ab 16 Jahren – Alkoholkonsum ist obligatorisch .

? ca. 80 Minuten ? Englisch ? MI 29.8. / DO 30.8. / FR 31.8. ? 21 Uhr ? CITY PASSAGE ? Eingang von der Kirchgasse ? 15 Euro / erm. 8 Euro 

Selbstportrait eines Liebenden

Wo Anfang des 20. Jahrhunderts im Stummfilmkino LUNA Carl Zuckmayer am Klavier saß, residiert seit fast 40 Jahren eines der mittlerweile letzten verbliebenen Erotikkinos Wiesbadens: das Bluebox-Kino. Hier an der Schwalbacher Straße zeigt Erik van Lieshout seine Video-Installation „Sex is Sentimental“. Eine sehr persönliche und schamlos narzisstische Videocollage über die frisch entflammte Liebe zu seiner damaligen Assistentin Suzanne, die scheinbar seine Arbeitsökonomie und sein Selbstbild auf den Kopf stellt. Zwischen manischer Arbeit, ungeduldiger Sehnsucht, Bildern von Frauen in Unterwäsche, flirrender Unsicherheit, Carla Bruni und der Lust zur Macht, verliert und sucht sich van Lieshout immer wieder aufs Neue. Das Selbstporträt eines Liebenden inmitten von ungehemmter Pornografie. 

? 20 Minuten ? Niederländisch mit deutschen & englischen Untertiteln ? 23.8. – 2.9. ? 9 – 23 Uhr ? BLUEBOX-KINO ? 10 Euro oder weniger ? Eintritt ab 18 Jahren 

Prime Time: Jilet Ay?e Comedy im Migrantenstadl ©2018 Hessisches Staatstheater / Cengiz Karahan

Prime Time: Jilet Ay?e Comedy im Migrantenstadl ©2018 Hessisches Staatstheater / Cengiz Karahan

Migranten Stadl

Tunay Önder, preisgekrönte Bloggerin, Autorin und Aktivistin, eröffnet ein Migrantenstadl. Elf Tage lang besetzt sie zusammen mit Gästen und lokalen Akteur die Wartburg: ein Umschlagplatz von und für radikal unterhaltsame Parallelgesellschaften aus Kanak-Stars, Textterroristen und Dadaisten, Rap-Ladies, Boxkampf und Teesalon. Sie verwandelt die Wartburg in eine postmigrantische Mehrzweckhalle mit täglich wechselndem Programm. Hier trifft Westend auf Diskurs, Comedy auf Islam und Boxkampf auf Biogemüse. Eine charmant brachiale Übernahme aus der Peripherie mit unbedingtem Integrationswillen.

Täglich ab 15 Uhr öffnet das Migrantenstadl für Çay & Gözleme, frisch zubereitet von türkischen Spezialist. Ein Chill-out mit Backgammon, Mokka, Kaffesatzleserin und Shisha. Ab 19 Uhr bietet das Migrantenstadl täglich wechselnde Paralellgesellschaften: Tischgespräche, kleine Lectures und Workshops mit geladenen Gästen.

Täglich zur „Prime Time: dokuza be? kala“ um 21 Uhr dann endlich brachiale Unterhaltung vom Feinsten. (Achtung: Für manche Veranstaltungen braucht man Tickets!) Von Musik-Lecture „Songs of Gastarbeiter“ über Comedy-Star Jilet Ay?ezum Konzert der Rapperin Ebow, don’t miss .

? 23.8. – 2.9. ? ab 15 Uhr ? MIGRANTENSTADL in der Wartburg ? Ausgewählte Prime Time-Veranstaltungen (21 Uhr): 15 Euro / erm. 8€, sonst Eintritt frei

Programm Überblick nach Datum sortiert

Donnerstag, 23. August

11:00 bis 18:00 Uhr – SEX IS SENTIMENTAL ? PORNO-LOOP ? PERFORMATIVES ? PORNOKINO
11:00 bis 18:00 Uhr – PARKHAUS ? PARKHAUS NACHGENUTZTES THEATER

15:00 bis 21:00 Uhr – CITY PASSAGE ? ROGER BALLEN, MARKUS ÖHRN, TETSUYA UMEDA & YOSUKE, AMEMIYA, FLORENTINA HOLZINGER, THOMAS BO NILSSON & JULIAN EICKE, RABIH MROUÉ, BHU BHU, MARLENE MONTEIRO FREITAS

Vom 23. August bis 2. September 2018 wird Wiesbaden zur Bühne der Biennale 2018. ©2018 Hessisches Staatstheater

Vom 23. August bis 2. September 2018 wird Wiesbaden zur Bühne der Biennale 2018. ©2018 Hessisches Staatstheater

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