Der Konjunktorbericht der IHK Wiesbaden zeigt: Die regionale Wirtschaft verliert weiter an Stabilität.
Die Stimmung in den Unternehmen rund um Wiesbaden kippt weiter. Der neue Konjunktorbericht der IHK Wiesbaden zeichnet ein düsteres Bild für den Frühsommer 2026. Der Geschäftsklimaindex fällt auf 87 Punkte – neun Punkte weniger als zu Jahresbeginn und so niedrig wie zuletzt während der Corona-Pandemie. Damit liegt die regionale Wirtschaft deutlich unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten.
Vor allem internationale Krisen treffen die Unternehmen zunehmend direkt. Die Eskalation im Nahen Osten und die daraus resultierende Ölpreiskrise treiben die Energiepreise nach oben. Gleichzeitig wächst in vielen Betrieben der Eindruck, dass politische Antworten ausbleiben oder zu spät kommen.
Unternehmen verlieren Vertrauen
„Wir sehen mit großer Sorge, wie der Druck auf unsere Mitgliedsunternehmen immer weiter zunimmt und gleichzeitig das politische Vertrauen schwindet“, erklärt IHK-Präsident Jörg Brömer. Die Politik müsse für verlässliche Rahmenbedingungen sorgen und Reformen endlich spürbar machen.
Die Unsicherheit zieht sich inzwischen durch nahezu alle Branchen. Besonders stark gerät der Großhandel unter Druck. Mit 67 Punkten bildet er das Schlusslicht des aktuellen Konjunktorberichts. Auch der Einzelhandel bleibt mit 75 Punkten tief in der Krise. Selbst der Dienstleistungssektor, lange Stabilitätsanker der Region, fällt mit 96 Punkten erstmals seit Jahren wieder unter die Wachstumsschwelle. Die Industrie verharrt bei schwachen 80 Punkten.
Für Sabine Meder ist genau diese Breite der Entwicklung alarmierend. „Das darf nicht zur neuen Normalität werden“, sagt sie. Wenn Wachstum und Beschäftigung gesichert werden sollen, brauche es schnell spürbare Entlastungen.
Unternehmen schalten auf Krisenmodus
Besonders deutlich zeigt sich die Unsicherheit inzwischen bei Investitionen und Personalplanung. Laut IHK wollen nur noch acht Prozent der Unternehmen neue Stellen schaffen. Fast jedes vierte Unternehmen plant dagegen Stellenabbau. Der Beschäftigungssaldo fällt auf minus 14 Punkte.
Auch die Finanzlage vieler Betriebe verschlechtert sich. 38 Prozent bewerten ihre wirtschaftliche Situation inzwischen als problematisch. Besonders häufig nennen Unternehmen Liquiditätsengpässe als Risiko.
„Die Unternehmen wechseln zunehmend in einen Krisenmodus“, sagt Fabian Lauer. Investitionen würden verschoben, Risiken gemieden und Personalplanungen eingefroren. Diese Vorsicht sei nachvollziehbar, bremse die Wirtschaft aber zusätzlich aus.
Region verliert Vorsprung in Hessen
Im hessischen Vergleich büßt der Bezirk der IHK Wiesbaden weiter an Stärke ein. Mit 87 Punkten liegt die Region inzwischen nahezu auf dem Niveau des hessischen Durchschnitts von 86 Punkten. Die bislang vergleichsweise robuste Wirtschaftsstruktur verliert damit ihren Vorsprung.
Für den aktuellen Konjunktorbericht befragte die IHK Wiesbaden rund 450 Unternehmen aus Wiesbaden, dem Rheingau-Taunus-Kreis und Hochheim.
Foto – IHK Wiesbaden ©2026 Wiesbaden lebt
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