Boris Rhein verabschiedet Dr. Reiner Haseloff mit Respekt. Er lobt Vertrauen, Erfahrung und eine Politik, die den Föderalismus zusammenhielt.
In Wiesbaden spricht Ministerpräsident Boris Rhein am Mittwoch nicht lange um den heißen Brei. Er würdigt, erinnert, dankt – und trifft dabei einen Ton, der in der Politik selten geworden ist. Dr. Reiner Haseloff, langjähriger Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, verlässt die erste Reihe der Länderpolitik. Rhein nennt ihn „einen tollen Typ“, sagt offen, dass er fehlen werde, und verbindet persönliche Wertschätzung mit politischer Einordnung.
Zusammenarbeit ohne Nebelkerzen
Rhein beschreibt die Zusammenarbeit als klar, sachlich und verlässlich. In den Runden der Ministerpräsidentenkonferenz, wo Interessen oft kollidieren und Positionen aufeinanderprallen, habe Haseloff nicht gepoltert, sondern sortiert. Er habe zugehört, abgewogen und Verantwortung übernommen. Genau das habe Vertrauen geschaffen – zwischen Ländern, zwischen Regierungen, zwischen Menschen, die Politik nicht als Bühne, sondern als Aufgabe verstehen.
Föderalismus braucht Geduld
Haseloff, so Rhein, habe den Föderalismus nicht beschworen, sondern gelebt. Er habe den Zusammenhalt der Länder gestärkt, indem er Unterschiede akzeptierte und Gemeinsamkeiten suchte. In Zeiten, in denen Schlagzeilen Tempo verlangen, setzte Haseloff auf Substanz. Er argumentierte, statt zu inszenieren. Er moderierte, statt zu dominieren. Das wirkte – auch über Parteigrenzen hinweg.
Erfahrung als politisches Kapital
Rhein hebt Haseloffs Integrität hervor. Sie speiste sich aus Erfahrung, aus Kenntnis der Mechanismen und aus der Bereitschaft, Verantwortung zu tragen, wenn Entscheidungen unbequem wurden. Sachsen-Anhalt habe davon profitiert, ebenso der Kreis der Länder. Haseloff habe Stabilität vermittelt, ohne Stillstand zu verwalten. Wer ihm zuhörte, verstand: Politik kann ruhig bleiben und trotzdem wirken.
Ein Abschied ohne Pathos
Der Ton bleibt freundlich, fast leicht. Rhein wünscht alles Gute und freut sich auf ein Wiedersehen. Kein Pathos, kein großes Finale – eher ein Handschlag zum Abschied. Vielleicht liegt genau darin die Pointe: Haseloffs Politik funktionierte nicht über Lautstärke, sondern über Haltung. Und die wird, so deutet Rhein an, fehlen.
Foto – Wahlabend im Konrad-Adenauer-Haus ©2026 Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
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