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Erinnerung lebt: Wiesbaden spannt rund um den 27. Januar ein dichtes Programm aus Musik, Film, Vorträgen und Stadtrundgängen.

Wie Wiesbaden den 27. Januar lebendig hält

Wiesbaden erinnert auch in diesem Jahr mit einer vielschichtigen Reihe an die Opfer des Nationalsozialismus. Der „Tag des Gedenkens“ am 27. Januar bringen ab dem 19. Januar Vorträge, Filme, Musik und Stadtrundgänge zusammen. Die Veranstaltungen zeigen, wie lebendig Erinnerung wirkt und warum sie demokratische Gegenwart stärkt.

Grafik: Kathleen Rother Redaktion 2 Monaten vor 0

Wiesbaden lädt rund um den 27. Januar zu Vorträgen, Filmen, Konzerten und Rundgängen ein.

Der 27. Januar steht für ein historisches Ereignis, das sich weigert, in den Hintergrund zu rücken. 1945 befreite die sowjetische Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Seit 1998 verankert Wiesbaden diesen Tag im öffentlichen Bewusstsein, indem es seine eigene Erinnerungsreihe Erinnern an die Opfer organisiert – weit mehr als eine Pflichtroutine, eher ein konzentrierter Blick auf Kunst, Geschichte und Verantwortung.

Wenn Kultur Verantwortung übernimmt

Die zentrale Gedenkveranstaltung im Kulturforum setzt den Ton. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende greifen am 27. Januar ab 19:00 Uhr die historischen Linien auf und führen die Gegenwart ins Gespräch. Danach übernehmen Studierende der Wiesbadener Musikakademie die Bühne. Sie tauchen tief in Werke ein, die das NS-Regime verbannte, diffamierte oder zerstörte – Musik, die einst aus den Sälen gedrängt wurde und nun ihre Klangräume zurückerobert.

Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl betont in seinem Grußwort die zerstörerische Kraft des Regimes, das Künstler ausgrenzte, verfolgte und schließlich ermordete. Er erinnert daran, wie das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums von 1933 Berufsbiografien zerschlug. „Diese Vernichtung von Kunst und Kultur betraf alle Sparten“, sagt er. „Umso wichtiger bleibt es, die Stimmen der Verstoßenen zurückzuholen.“ Ein Satz, der im Raum hängen bleibt und die kommenden Tage prägt.

Eine Reihe, die weiter ausholt

Das Programm wächst seit Jahren, und immer mehr Institutionen, Vereine und Bildungsträger beteiligen sich. Darunter befinden sich auch Formate, die bereits vor ihrer offiziellen Eröffnung Aufmerksamkeit wecken. Im Rathausfoyer zeigt das DGB-Bildungswerk Hessen die geförderte Ausstellung Rechter Terror in Hessen – ein Thema, das beklemmend aktuell erscheint.

Am 19. Januar öffnet die Jüdische Gemeinde Wiesbaden ihre Türen für den Vortrag der Historikerin Christina Wirth. Sie erzählt die Geschichte von Anna Kaletska, die Auschwitz überlebte und 1946 in einem Interview des Psychologen David P. Boder ihre erschütternde Lebensgeschichte schilderte. Wirth lässt diese Stimme erneut erklingen und macht deutlich, wie viel persönliche Geschichte in solchen Berichten steckt.

Film, Rundgänge und die Frage nach der Kunst

Das Murnau-Filmtheater steuert mehrere Filmabende bei und rückt jüdischen Alltag sowie die Mechanismen des Antisemitismus in den Fokus. Das Evangelische Dekanat lädt zu einer Diskussion über „belastete Kunst“ ein – ein Thema, das Kirchen, Museen und Stadtgesellschaft gleichermaßen beschäftigt.

Spiegelbild – Politische Bildung aus Wiesbaden – setzt digital nach und fragt nach der Rolle der Sozialen Arbeit in Zeiten systematischer Behindertenfeindlichkeit. Parallel lädt das Stadtmuseum am Markt zu erinnerungskulturellen Rundgängen ein, die Besucher an Orte des Verdrängten führen. Wer sich von KI:Wi durch die Innenstadt leiten lässt, sieht Wiesbaden mit anderen Augen: Straßenecken, an denen Geschichte klebt, Fassaden, die erzählen, ohne laut zu werden.

Künstlerinnen, Werke, verdrängte Biografien

Das Staatstheater Wiesbaden richtet an zwei Abenden ein besonderes Erinnerungsprogramm aus, das an den Wiesbadener Komponisten Heinz Lewin erinnert. Weitere Veranstaltungen thematisieren den Richter Dr. Wilhelm Dreyer oder die Herkunft eines Gemäldes von Fritz von Uhde – Beispiele dafür, wie tief die NS-Zeit in private wie öffentliche Biografien eingreift.

Die Ausstellung Rosa Winkel, ab 11. Februar im Kunsthaus, setzt schließlich einen scharfen historischen Akzent. Sie zeigt Biografien homosexueller Häftlinge der Lager Buchenwald und Mittelbau-Dora und verknüpft sie mit heutigen Perspektiven auf queere Erinnerungskultur.

Ein Finale voller Poesie

Den Abschluss setzt erneut die Jüdische Gemeinde. Hartmut Boger und Elke Weber-Boger widmen ihren Abend der Dichterin Masha Kaléko. Vortrag, Lesung und Musik verweben sich zu einem poetischen Finale, das die Besucherinnen und Besucher mit leiser, aber nachhaltiger Kraft begleitet.

So zeigt Wiesbaden: Erinnerung bleibt kein Ritual, sondern ein lebendiger Akt demokratischer Selbstvergewisserung.

Symbolfoto © 2025 KI-generiert / Wiesbaden lebt!

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