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Radikalisierung in sozialen Medien

Wie Tiktok junge Menschen für Extremismus anfällig macht

Wie radikale Gruppen TikTok, Instagram und andere Plattformen nutzen, um junge Menschen zu beeinflussen, stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung des Arbeitskreises „Sicherheit für Alle“ in Wiesbaden. Polizei, Vereine und migrantische Organisationen diskutierten über Prävention und Vertrauen.

Volker Watschounek 1 Tag vor 0

Radikale Gruppen nutzen soziale Medien, um junge Menschen zu erreichen – schnell, emotional und oft unbemerkt.

Am vergangenen Mittwoch, 20. Mai, hat der Arbeitskreis „Sicherheit für Alle“ in Wiesbaden über digitale Radikalisierung diskutiert. Unter dem Titel „Tiktokisierung des Extremismus“ kamen Vertreter von Polizei, Vereinen, migrantischen Organisationen und Gemeinschaften in der Aula der Schule am Mosbacher Berg zusammen. Organisiert wurde die Veranstaltung von den Migrationsbeauftragten des Polizeipräsidium Westhessen, Bouhmara und Colak.

Wenn Extremismus im Feed auftaucht

Die Gefahr beginnt oft unscheinbar. Ein Video, ein Meme, ein kurzer Clip mit Musik und schnellen Schnitten. Was harmlos wirkt, kann gezielt Botschaften transportieren. Genau darum ging es an diesem Abend in Wiesbaden.

Lea Plavcic vom Kompetenzzentrum Rechtsextremismus des hessischen Landesamts für Verfassungsschutz zeigte in ihrem Fachvortrag, wie extremistische Gruppen soziale Plattformen strategisch einsetzen. Dabei gehe es längst nicht mehr nur um klassische Propaganda. Viele Inhalte würden jugendnah inszeniert, emotional aufgeladen und algorithmisch verstärkt.

Im Fokus standen unterschiedliche Erscheinungsformen: Rechtsextremismus, Islamismus, Linksextremismus und Antisemitismus. Die Strategien ähneln sich häufig. Gruppen arbeiten mit Provokation, Zugehörigkeitsgefühlen und emotionalen Botschaften. Gerade junge Nutzer geraten dadurch schnell in digitale Echokammern.

Die Diskussion machte deutlich, wie schwer es Eltern, Lehrkräften oder Jugendbetreuern inzwischen fällt, problematische Inhalte früh zu erkennen. Extremistische Narrative verstecken sich oft zwischen Lifestyle-Videos, Trends und Unterhaltung.

Vertrauen schaffen statt abschotten

Der Arbeitskreis „Sicherheit für Alle“ existiert seit 2010. Sein Ziel bleibt bis heute aktuell: Vertrauen zwischen Polizei und Menschen mit Migrationsgeschichte stärken, Prävention fördern und den Dialog offen halten.

Die Vizepräsidentin des Polizeipräsidium Westhessen, Frau Thaler, betonte in ihrer Begrüßung die gesellschaftliche Verantwortung hinter dem Thema. „Sicherheit ist nicht nur eine polizeiliche Aufgabe – sie ist die Basis des gemeinschaftlichen Zusammenlebens und setzt Austausch, Verständnis und Zusammenarbeit voraus“, sagte sie.

Gerade in Zeiten sozialer Spannungen und wachsender Polarisierung werde deutlich, wie wichtig funktionierende Netzwerke seien. Vereine, Gemeinden, Schulen und Behörden müssten enger zusammenarbeiten, um Jugendliche zu stärken und frühzeitig anzusprechen.

Die Teilnehmenden diskutierten deshalb nicht nur über Gefahren, sondern auch über Lösungen. Präventionsarbeit beginne oft im Kleinen: in Jugendzentren, Sportvereinen oder Familiengesprächen. Entscheidend sei, junge Menschen nicht allein digitalen Plattformen zu überlassen.

Austausch endet nicht mit dem Vortrag

Auch nach dem offiziellen Ende um 20 Uhr blieben viele Gäste noch in der Aula. Beim gemeinsamen Abendessen wurde weiter diskutiert, Kontakte wurden ausgetauscht, neue Kooperationen angestoßen.

Genau darin liegt die Idee von „Sicherheit für Alle“: nicht nur Probleme benennen, sondern Begegnungen schaffen. Denn digitale Radikalisierung passiert oft im Verborgenen. Vertrauen dagegen entsteht fast immer im direkten Gespräch.

Für das Polizeipräsidium Westhessen bleibt das Thema deshalb eine Daueraufgabe. Die sozialen Medien verändern sich rasant – und mit ihnen auch die Methoden extremistischer Gruppen. Umso wichtiger erscheint vielen Beteiligten der Versuch, Jugendliche früh zu sensibilisieren, bevor aus einem Algorithmus ein Weltbild wird.

Symbolfoto ©2026 KI-generiert

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