Schleimer entscheidet das Hessenpokalfinale, Scherning lobt die Moral und Mockenhaupt verabschiedet sich mit einem emotionalen Titelgewinn.
Im Schatten der Tribüne am Bieberer Berg sank Lukas Schleimer auf die Knie, riss die Arme hoch und schrie seine Erleichterung heraus. Sekunden zuvor hatte der Angreifer den SV Wehen Wiesbaden mit einem späten Treffer zum Hessenpokalsieg geschossen.
Der SV Wehen Wiesbaden hat sich mit einem 2:1-Erfolg gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz den Hessenpokal gesichert und damit zugleich das Ticket für den DFB-Pokal gelöst. Es war ein Finale, das weniger durch Glanz als durch Widerstandskraft entschied. Und genau das gefiel Trainer Daniel Scherning am Ende besonders.
Schleimer trifft im richtigen Moment
Die Temperaturen lagen hoch, das Spieltempo schwankte, doch die Partie blieb bis in die Schlussphase offen. Wiesbaden führte zunächst, kassierte direkt nach der Pause jedoch den Ausgleich – ein Moment, der das Spiel kippte. „Das war ein Nackenschlag“, sagte Matchwinner Lukas Schleimer später. Zwischenzeitlich habe Fulda die bessere Mannschaft gestellt. Doch der Angreifer dachte weiter nur an die nächste Chance.
„Im zweiten Durchgang wollte ich deshalb unbedingt noch einen machen. Das war immer in meinem Kopf“, erklärte Schleimer. Als sich die Gelegenheit bot, reagierte er instinktiv. Er habe gesehen, „dass der Verteidiger einen langen Schritt macht“ – dann schob er den Ball durch die Beine ins Tor. Eine Szene, die das Finale entschied und den SVWW doch noch jubeln ließ.
Die Wiesbadener stemmten sich trotz der Hitze gegen den Kräfteverschleiß. „Wir wollten nicht mit den Kräften haushalten“, sagte Schleimer. Wenn einer nicht mehr könne, müsse der nächste übernehmen. Genau so wirkte dieser Sieg: weniger elegant als entschlossen.
Scherning lobt Moral seiner Mannschaft
Auch Trainer Daniel Scherning sprach nach dem Abpfiff vor allem über Mentalität. Der Hessenpokal sei das klare Ziel gewesen, sagte er. Schließlich geht es für den Verein nicht nur um Prestige, sondern auch um die wirtschaftlich wichtige Teilnahme am DFB-Pokal.
Dabei warnte Scherning davor, den Regionalligisten aus Fulda zu unterschätzen. Die SG Barockstadt sei die zweitbeste Rückrundenmannschaft der Regionalliga Südwest gewesen. Wiesbaden habe zwar vor der Pause Möglichkeiten gehabt, die Partie früher zu entscheiden, sei danach aber unter Druck geraten. „Am Ende haben wir Moral bewiesen und den Pokal geholt“, sagte der SVWW-Coach.
Ein Abschied mit Symbolkraft
Besonders emotional wurde der Nachmittag für Sascha Mockenhaupt. Der Rekordspieler des SV Wehen Wiesbaden absolvierte sein letztes Spiel für den Verein – und durfte zum Abschied noch einmal einen Titel feiern.
„Wenn du dein letztes Spiel für den Verein hast und dann mit einem Titel aufhören kannst, ist das schon schön“, sagte Mockenhaupt. Der langjährige Abwehrspieler sprach nicht über sich selbst, sondern über den Klub. Er habe den Verein „in einem guten Zustand übergeben“ wollen. Der erhoffte Aufstieg blieb zwar aus, doch der Hessenpokalsieg besitzt für Wiesbaden dennoch Gewicht.
Denn der DFB-Pokal bringt Aufmerksamkeit, Energie – und dringend benötigte Einnahmen. Mockenhaupt erinnerte daran, wie wichtig die ersten Pokalrunden in den vergangenen Jahren für den Verein gewesen seien. Nun bekommt der SVWW die nächste Chance auf einen großen Fußballabend. Und sein Rekordspieler verabschiedet sich mit dem Gefühl, noch einmal etwas Bleibendes hinterlassen zu haben.




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