Beim Stadtradeln 2026 werden zum ersten Mal Radfahrten über die Rheinbrücken systematisch gezählt und ausgewertet.
Es ist früher Abend auf der Theodor-Heuss-Brücke. Autos schieben sich Stoßstange an Stoßstange Richtung Mainz, während daneben ein Mann im Businesshemd auf dem Fahrrad lautlos vorbeizieht. Hinter ihm folgen Jugendliche mit Rucksäcken, eine Mutter mit Lastenrad, ein Rennradfahrer im Feierabendtempo. Der Rhein trennt die beiden Städte – und verbindet sie zugleich. Wiesbaden rückt das tägliche Pendeln jetzt in den Fokus.
Mit dem Projekt „Brückenschlag Mainz-Wiesbaden“ will die Stadt erstmals genauer verstehen, wie viele Menschen tatsächlich mit dem Fahrrad zwischen Mainz und Wiesbaden unterwegs sind. Der Auftakt erfolgt während des diesjährigen Stadtradelns. Vom 31. Mai bis zum 20. Juni werden die Überquerungen der Theodor-Heuss-Brücke, Kaiserbrücke und Schiersteiner Brücke systematisch erfasst und ausgewertet.
Brückenschlag Mainz-Wiesbaden ist Teil des Programms zur World Design Capital 2026 und versteht sich nicht nur als Datensammlung, sondern als Testlauf für eine neue Form urbaner Mobilität.
Der Rhein wird zum Fahrrad-Korridor
Gezählt wird digital: über Apps und fest installierte Messgeräte. Die Daten landen anschließend im Fahrrad-Dashboard der Stadt Wiesbaden und sollen sichtbar machen, wann Radfahrer unterwegs sind, welche Brücke besonders stark genutzt wird und in welche Richtung der Verkehr fließt.
Die Zahlen sollen helfen, den Radverkehr zwischen den beiden Landeshauptstädten besser zu planen – auch mit Blick auf eine mögliche dauerhafte Radschnellverbindung zwischen Wiesbaden und Mainz.
Wiesbadens Verkehrsdezernent Andreas Kowol sieht darin mehr als reine Statistik. „Die Brücken zwischen Mainz und Wiesbaden sind nicht nur Bauwerke, sondern zentrale Verbindungen für viele Pendlerinnen und Pendler“, erklärt er. Mit dem Projekt werde sichtbar, „welche Rolle der Radverkehr dabei schon heute spielt – und welches Potenzial noch darin steckt“.
Gerade im Berufsverkehr zeigt sich längst, dass das Fahrrad auf kurzen Distanzen konkurrenzfähig geworden ist. Wer morgens von Kastel nach Mainz fährt oder von der Neustadt Richtung Biebrich pendelt, spart oft Zeit – und Nerven.
Daten statt Bauchgefühl
Im Rathaus setzt man dabei zunehmend auf digitale Verkehrsbeobachtung. Seit einem Jahr bündelt Wiesbaden Daten zur Fahrradnutzung öffentlich im sogenannten Fahrrad-Dashboard. Dort lassen sich Entwicklungen nachvollziehen, Nutzungszahlen vergleichen und Verkehrsströme visualisieren.
Für Smart-City-Dezernentin Maral Koohestanian ist genau das entscheidend. „Für eine Smart City ist dieser offene Umgang mit Daten wichtig“, sagt sie. Die Informationen schafften die Grundlage für bessere Planung und eine engere Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Stadtgesellschaft.
Die Stadt reagiert damit auch auf einen Wandel im Mobilitätsverhalten. Während der Autoverkehr in den Innenstädten zunehmend an Grenzen stößt, wächst die Zahl der Menschen, die kurze und mittlere Strecken mit dem Rad zurücklegen. Besonders zwischen Mainz und Wiesbaden spielt dabei die Rheinquerung eine Schlüsselrolle.
Weniger Stau, mehr Bewegung
Initiiert wurde das Projekt von der Wiesbadener Agentur Scholz & Volkmer. Geschäftsführer Michael Volkmer formuliert das Ziel bewusst pragmatisch: „Wir wollen diejenigen motivieren, die bislang noch nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Je mehr Menschen auf dem Rad, desto weniger Stau.“
Dabei soll es nicht bei einem einzigen Aktionszeitraum bleiben. Nach dem Stadtradeln folgt vom 16. August bis zum 13. September die sogenannte „Brückenschlag-Challenge“. Auch dort werden erneut Überfahrten gezählt und ausgewertet.
Weitere Nachrichten aus Stadtteil Kastel lesen Sie hier.
Foto – Radverkehr über die Rheinbrücken nach Mainz. ©2026 KI-generiert
Datenwelt: Fahrradnutzung in Wiesbaden im Fahrrad-Dashboard.
Weitere Informationen zum Projekt Brückenschlag Challenge.
Aktuelle Hinweise zu Terminen stehen auf www.adfc-wiesbaden.de.



Stadtradeln 2026 beginnt mit Fahrradkorso durchs Nerotal
Kinderparlament Kastel tagt zum zweiten Mal
Erneuerung und Ergänzung der Radwege in Kastel durch die Helling Höfe
Seniorentreff Kastel bleibt im Ortskern
Stadtradeln: Wiesbaden steigt aufs Rad
Sperrung der Eleonorenstraße 
