Menü

kalender

Juni 2026
M D M D F S S
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930  

Partner

Partner

/* */
Gary Kamemoto über Fumihiko Maki

Fumihiko Maki: Ein Vermächtnis aus Licht in Wiesbaden

in Abend zwischen Erinnerung und Zukunft: Das Museum Reinhard Ernst widmet sich dem Lebenswerk von Fumihiko Maki. Weggefährten, Diplomaten und Gäste zeigen, warum seine Architektur bis heute wirkt – als Brücke zwischen Kulturen, als Raum für Menschen und als Idee, die weiterlebt.

Volker Watschounek 2 Tagen vor 0

Ein Abend im Museum Reinhard Ernst zeigt, warum Fumihiko Makis Architektur bis heute Menschen verbindet.

Im Museum Reinhard Ernst widmete sich ein Abend ganz dem Werk von Fumihiko Maki – und zeigte, wie präsent seine Architektur bis heute ist. Am 17. Juni reiste sein langjähriger Weggefährte und Nachfolger Gary Kamemoto eigens aus Tokio nach Wiesbaden. Im Rahmen der Reihe „Lernen und Erleben von japanischer Architektur“ stellte er den Jubiläumsband „Maki Opus“ vor und sprach Sprache über sechs Jahrzehnte internationaler Baukunst – persönlich, präzise und geprägt von eigenen Erfahrungen an der Seite des 2024 verstorbenen Architekten.

Zufll oder bewusst gewählt

Der Anlass hätte kaum passender sein können. Das renommierte Architekturbüro Maki & Associates blickt auf 60 Jahre zurück. 145 Gebäude weltweit sind in dieser Zeit entstanden. Eines davon steht mitten in Wiesbaden – und ist mehr als nur ein Museum. Es ist ein architektonisches Statement.

Mehr als 250.000 Besucherinnen und Besucher haben das Haus seit seiner Eröffnung betreten. Eine Zahl, die für sich spricht. Oder, wie Maki es selbst formulierte: „Ein Gebäude muss geliebt werden, damit es funktioniert.“

Generalkonsul Takeshi Ito spricht über Maki
Generalkonsul Takeshi Ito spricht über Maki

Zwischen Erinnerung und Gegenwart

Der Juni trägt für das Museum eine doppelte Bedeutung. Einerseits feiert das Haus seinen zweiten Geburtstag, andererseits erinnert er an den Tod Makis. Am 6. Juni vor zwei Jahren starb der Architekt im Alter von 96 Jahren.

Dass sein Werk dennoch lebendig bleibt, zeigte sich an diesem Abend eindrucksvoll. Gary Kamemoto beschrieb das Gebäude als eine Art gebaute Idee. „Das Licht durchströmt die Räume genauso, wie wir es uns vorgestellt hatten“, sagte er. Für ihn sei das Museum Ausdruck einer Haltung, die Maki ein Leben lang verfolgte: Architektur müsse den Menschen dienen.

Ein Haus als Brücke

Auch der japanische Generalkonsul Takeshi Ito fand an diesem Abend persönliche Worte – und verband sie mit einer Erinnerung, die weit zurückreichte. Lange bevor er wusste, wer hinter den Entwürfen stand, begegnete er als Student erstmals der Architektur von Fumihiko Maki. In einem Gebäude im Tokioter Stadtteil Daikanyama habe ihn vor allem eines beeindruckt: die Selbstverständlichkeit, mit der sich die Architektur in ihre Umgebung einfügte.

Nichts drängte sich auf, nichts suchte Aufmerksamkeit. Stattdessen öffneten sich Räume, die Menschen aufnahmen, Übergänge schufen und eine Verbindung zwischen Stadt, Natur und Gemeinschaft herstellten. Diese Erfahrung habe ihn geprägt – bis heute.

Genau diese Haltung erkenne er im Museum Reinhard Ernst wieder. Auch hier gehe es nicht um Inszenierung, sondern um Wirkung. Das Gebäude wirke leise, fast zurückhaltend – und entfalte gerade dadurch seine Kraft. Es lade dazu ein, sich einzulassen, neue Perspektiven zu entdecken und Architektur als Teil des eigenen Erlebens zu begreifen. So wird das Museum für Ito zu einem Ort der Begegnung: zwischen Kulturen, zwischen Menschen – und zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Ein Buch als Vermächtnis

Im Mittelpunkt des Abends stand zum einen das Leben des Archtikten Fumihiko Maki als auch ein neues Buch über die archektnoischen Meisterleistungen: „Maki Opus“. Kamemoto stellte es erstmals öffentlich vor. Es ist mehr als eine klassische Monografie. Es ist eine Reflexion über ein Lebenswerk.

Bemerkenswert dabei: Maki wollte bewusst auf seinen Namen auf dem Cover verzichten. Nicht die Person, sondern die Idee sollte im Mittelpunkt stehen. Modernismus, Regionalismus und Humanismus – diese drei Begriffe prägen das Werk. Das Buch entstand parallel zum Bau des Museums. Zwei Projekte, die sich über Jahre hinweg begleiteten – und nun gemeinsam ein Vermächtnis bilden.

Die Idee von Gemeinschaft

Makis Architektur war nie Selbstzweck. Bereits in den 1960er-Jahren entwickelte er mit der „Group Form“ ein Konzept, das bis heute wirkt. Städte und Gebäude verstand er als lebendige Systeme, die sich verändern und wachsen. „Wir betrachten die menschliche Gesellschaft als einen lebendigen Prozess“, schrieb Maki damals. Architektur müsse darauf reagieren – nicht statisch, sondern offen.

Diese Haltung spiegelt sich auch im Museum Reinhard Ernst wider. Es ist kein abgeschlossener Raum, sondern ein Ort der Begegnung.

Museum Reinhard Ernst würdigt Fumihiko Maki – ein Abend über Architektur, Humanismus und kulturelle Verbindung.
Museum Reinhard Ernst würdigt Fumihiko Maki – ein Abend über Architektur, Humanismus und kulturelle Verbindung.

Offenheit als Prinzip

Diese Haltung wird im Inneren des Gebäudes besonders spürbar. Ein zentral angelegter Innenhof führt Licht und Natur tief in das Haus hinein und schafft eine ruhige Mitte, die den Raum ordnet. Im Zentrum steht ein japanischer Ahornbaum – zurückhaltend, fast poetisch, und doch prägend für die Atmosphäre des gesamten Gebäudes.

Auch die äußere Gestaltung folgt diesem Gedanken der Balance. Die Fassade mit ihren vertikalen Lamellen nimmt Anleihen an der traditionellen japanischen Architektur. Sie öffnet das Gebäude nach außen, ohne es preiszugeben, und schafft eine feine Grenze zwischen Öffentlichkeit und Rückzug. Transparenz und Intimität stehen hier nicht im Widerspruch, sondern ergänzen sich.

So entsteht eine Architektur, die nicht abschreckt oder Distanz erzeugt, sondern bewusst einlädt – ein Haus, das sich nicht verschließt, sondern den Dialog sucht.

Allein und doch verbunden

Der Moment liegt zwei Jahre zurück – es war der Tag der Eröffnung des Museums. Während Hunderte Besucher neugierig durch die hellen Räume schlenderten, stehen blieben, sich austauschten und die Architektur auf sich wirken ließen, entstand abseits des lebhaften Treibens eine stille Szene.

Ein Mann hatte sich bewusst zurückgezogen, setzte sich an den Rand des Innenhofs und gönnte sich eine Auszeit. Für einen Augenblick entzog er sich dem Stimmengewirr, ließ die Bewegung um sich herum vorbeiziehen und richtete den Blick ruhig in den Garten. Dort, zwischen Licht, Wasser und dem leisen Rascheln der Blätter, entstand eine Ruhe, die fast wie ein Gegenpol zur Dynamik des Tages wirkte – und genau jene Qualität sichtbar machte, die Fumihiko Maki mit seiner Architektur erreichen wollte: Räume zu schaffen, die zugleich verbinden und innehalten lassen.

Gegenüberstellung Funktion in Makis Architektur.
Ruhepol inmitten von Trubel.

Ein Auftraggeber mit Vision

Zum Abschluss richtete Gary Kamemoto den Blick auf den Menschen hinter dem Projekt. Er würdigte die Rolle des Stifters Reinhard Ernst und erinnerte daran, dass Auftraggeber in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu kurz kämen. Dabei seien sie es, die mit ihrer Haltung, ihrem Vertrauen und ihrer Konsequenz den entscheidenden Rahmen für große Architektur schafften.

Fumihiko Maki habe diesen Zusammenhang einmal prägnant beschrieben: „Manche bringen finanzielle Mittel mit. In seltenen Fällen bringen sie weit mehr: Vision und Leidenschaft.“ Genau diese seltene Kombination habe er in Reinhard Ernst gesehen.

Das Museum Reinhard Ernst ist für Kamemoto deshalb mehr als ein gelungenes Bauwerk. Es ist das Ergebnis einer gemeinsamen Idee, getragen von Überzeugung, Ausdauer und dem Willen, etwas Dauerhaftes zu schaffen.

Ein Ort mit Zukunft

So bleibt das Museum weit mehr als ein Bauwerk. Es ist zu einem Ort geworden, an dem Austausch entsteht, Offenheit gelebt wird und Inspiration ihren Raum findet. Hier begegnen sich Menschen, Ideen und Perspektiven – nicht zufällig, sondern durch eine Architektur, die genau darauf angelegt ist.

Gerade darin zeigt sich, dass Architektur mehr leisten kann, als lediglich Räume zu definieren oder Funktionen zu erfüllen. Sie kann Atmosphären schaffen, Begegnungen ermöglichen und Verbindungen stiften – leise, aber nachhaltig.

Im Museum Reinhard Ernst wird diese Haltung spürbar. Es verbindet Menschen miteinander, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Und genau in dieser stillen, verbindenden Kraft liegt das Vermächtnis von Fumihiko Maki.

Foto ©2026 Volker Watschounek

Weitere Nachrichten aus dem Stadtteil Mitte lesen Sie hier.

Die Internetseite des Museum Reinhard Ernst finden Sie unter www.museum-reinhard-ernst.de.

Diskutieren Sie mit

Diskutieren Sie mit

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert