Neue Stolpersteine erinnern an Familie Neumann. Bürger können Patenschaften übernehmen und Geschichte im Alltag sichtbar halten.
In Eltville am Rhein wächst ein Projekt weiter, das nicht laut ist – aber wirkt. Vier neue Stolpersteine sollen noch in diesem Jahr an die Familie Neumann erinnern. Kleine Messingtafeln, die im Gehweg liegen, groß genug für einen Namen, ein Datum – und eine Geschichte, die sich nicht verdrängen lässt.
Spurensuche zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Der Künstler Gunter Demnig brachte die Idee Anfang der 1990er-Jahre ins Rollen. Seitdem verlegt er die Steine vor den letzten freiwillig gewählten Wohnorten von NS-Opfern. In Eltville schien dieses Kapitel zunächst abgeschlossen: 54 Stolpersteine lagen bereits in vier Stadtteilen. Dann meldeten sich Angehörige. Sie brachten Dokumente, Hinweise, Fragmente.
Der Historiker Dr. Sebastian Koch sichtete die Unterlagen, sortierte, prüfte, rekonstruierte. Am Ende stand eine Familie: Max und Amalie Neumann mit ihren Kindern Alfred und Karola. 1936 flohen sie vor den Nationalsozialisten in die USA. Ihr letzter Wohnort: die Rheingauer Straße 23.
Erinnerung braucht Beteiligung
Jetzt bereitet die Stadt die nächsten Schritte vor. Die Inschriften werden abgestimmt, die Verlegung geplant. Und: Die Stadt sucht Patinnen und Paten. Denn ein Stolperstein kostet nicht nur 120 Euro – er verlangt auch Aufmerksamkeit.
Bürgermeister Patrick Kunkel betont, dass es um mehr geht als Geld. Wer eine Patenschaft übernimmt, kümmert sich auch langfristig. Putzt, poliert, hält die Erinnerung sichtbar. Ein bisschen Pflege für viel Geschichte.
Kleine Steine, große Wirkung
Wer durch Eltville geht, soll stolpern – im Kopf. Die glänzenden Platten zwingen zum Innehalten. Sie holen Biografien zurück in den Alltag. Und sie stellen eine leise Frage: Wer lebte hier – und warum musste er gehen?
Symbolfoto – Stolpersteine für die Familie Neumann ©2026 KI-generiert
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