Naturschutz beginnt nicht im fernen Regenwald. Er beginnt am Straßenrand, wenn wir uns bücken und ein kleines Wesen sicher über die Fahrbahn tragen.
Das Frühjahr tastet sich mit milden Nächten heran, Störche ziehen ihre Kreise, Kraniche rufen über den Rheinauen. Und am Boden beginnt ein leiser Aufbruch: die Kröten- und Feuersalamanderwanderung. Grasfrösche, Erdkröten, Molche und Salamander folgen einem uralten Instinkt. Sie kehren dorthin zurück, wo sie selbst aus dem Laich schlüpften – in Tümpel, Teiche und Waldgewässer zwischen Sülzbachtal und Kloster Eberbach. Was romantisch klingt, gerät auf Asphalt schnell zur tödlichen Falle.
Warum jede helfende Hand zählt
Sobald die Temperaturen steigen und feuchte Luft durch die Täler zieht, wandern Tausende Amphibien in der Dämmerung los. Ihr Weg kreuzt Straßen, die ihr Lebensraum zerschneiden. Reifen walzen über fragile Körper, Scheinwerfer blenden, Bordsteine werden zu unüberwindbaren Barrieren.
Besonders trifft es den Feuersalamander, der in vielen Regionen stark zurückgeht. Lebensraumverlust, Pilzkrankheiten und Verkehr setzen ihm zu. Naturschützer schlagen Alarm. Ohne Schutzmaßnahmen verschwinden ganze Populationen. Hier greift der Einsatz engagierter Ehrenamtlicher. Mitglieder des NABU bauen mobile Krötenschutzzäune auf. Die Kunststoffbarrieren lenken die Tiere entlang der Straße in eingegrabene Eimer. Andere betreuen feste Anlagen, die sich seit Jahren bewähren.
Jeden Morgen und jeden Abend kontrollieren Helfer die Eimer. Sie setzen die Tiere behutsam in Transporteimer, tragen sie über die Straße und lassen sie auf der sicheren Seite wieder frei. Dabei zählen sie Arten, erfassen Geschlechter und dokumentieren Bestände. So entsteht ein wertvolles Bild über die Entwicklung der Populationen im Rheingau.
Sülzbachtal und Kloster Eberbach: Naturschutz mit Tradition
Im Sülzbachtal und rund um das Kloster Eberbach engagieren sich Freiwillige seit vielen Jahren. Sie trotzen Regen, Kälte und Dunkelheit. Ihr Lohn? Der Moment, wenn ein Feuersalamander mit glänzend gelbem Muster im Licht der Taschenlampe aufscheint – lebendig, urtümlich, verletzlich.
Diese Arbeit verbindet Generationen. Familien helfen gemeinsam, Schulklassen lernen ökologische Zusammenhänge kennen. Wer einmal erlebt hat, wie hunderte Erdkröten in einer einzigen Nacht wandern, begreift, wie fragil das Gleichgewicht vor der eigenen Haustür ist.
Jetzt mitmachen: Freiwillige gesucht
Auch in diesem Frühjahr sucht der NABU helfende Hände für die Kröten- und Feuersalamanderwanderung in Eltville. Jede Stunde zählt. Wer helfen möchte, meldet sich bei Johannes Lipp unter 0177 1623945.
Grafik – Ein Feuersalamander auf nächtlicher Wanderung – dank ehrenamtlicher Helfer erreicht er sicher sein Laichgewässer. ©2026 KI-generiert
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Weitere Informationen vom Nabu.



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