Er wirkte sympathisch und menschennah, erkannte Chancen, die ihm geboten worden sind: Holger Schwedler, vor kurzem übernähme er Gastgeber die Geschicke im Literaturhaus Villa Clementine. Er starb überraschend. 

Er war die Idealbesetzung für das Café im Literaturhaus.  Er sah sich  als literurnah und stürzte sich allein aus dem Grund  mit voller Kraft in die neue Aufgabe. Er wollte  das Café desFin de Siècle zu einem Ort der Begegnung machen. Die Ausstattung erinnerte ihn an manchen Ecken an edelste Mailänder Caffé Bars.  Zentral gelegen – im Dreieck zwischen IHK, Staatstheater und dem Rathaus –  setzte er sowohl auf das schnelle Kommen und Gehen, als auch auf die Caféhausbesucher, der hier ihre Zeitungen lesen wollten. Bar, Café und Bistro, aber auch Weinkeller – so sah er die gastliche Stätte im ersten Stock des Literaturhauses  – mit ihren Murano-Leuchtern und den Gobelin-Tapeten einzigartig ausgestattet.

Jenseits von Fast food

Den Kaffee ließ sich Schwedler von Hand rösten, Tee serviert er in gusseisernen chinesischen Kännchen. Er lud zu echtem Essen ein: Blechkuchen und Apfelstrudel, hausgemachtem Gulasch oder Bouletten.  Brot, das mit dem ganzen Korn gebacken wird. Lebensmitteln mit Tradition und veritablen Zutaten – jenseits von Fast food – so hatte er sich sein Programm vorgestellt, und kam dann doch nicht dazu, es zu erproben.

Schwedler war in Wiesbaden von der Wingert Vinothek bekannt, einer erstaunlich vielseitigen Szenekneipe im Bergkirchen-Gebiet. Dort vertrieb er seine eigene Weinmarke  – Urban – und stellte die ganze Vielfalt des Rheingaus vor. Seine Weinbar war ein Ort für Lesungen, Konzerte, Ausstellungen. Einmal im Monat lud er einen Winzer zur Weinprobe ein. Betreutes Trinken nannte er das. Politprominenz und Theaterleute gingen in der Oberen Webergasse ein und aus.

Wingert Vinothek

Schwedler war Diplom-Betriebswirt, der auch Philosophie studiert hatte, wie das bei jedem vernünftigen Kaufmann einmal der Fall war. Die Familie kam in den Sechzigerjahren aus Norddeutschland in die hessische Landeshauptstadt. Der Vater, Beamter beim BKA, machte als erfolgreicher Tennisspieler von sich reden. Holger Schwedler erste berufliche Station: Bertelsmann. Er hat die Pressestelle des Buchclubs geleitet. Im März 2015 wurde die allerletzte Buchclub-Filiale geschlossen, am Stammsitz in Gütersloh. Schwedler hat nicht  nur Pressearbeit gemacht, er hat auch als Journalist gearbeitet, über Wein geschrieben. Und wurde Weinhändler, zunächst in Geisenheim. 2013 wechselte er nach Wiesbaden und betrieb seither die Wingert Vinothek im Bergkirchengebiet. (Text: Ingeborg Toth)

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Die offizielle Internetseite der Fingert Vinothek finden Sie unter wingert-vinothek.de.

 

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