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Europa Fahne, Deutscher Städtetag

Europa beginnt vor Ort – am 9. Mai auch in Wiesbaden

Am Europatag blickt Wiesbaden nicht nur zurück auf die Anfänge der EU, sondern nach vorn. Und die Stadt ruft am 9. Mai ihre Bürger auf, Europa aktiv mitzugestalten – mit Ideen, Austausch und dem festen Willen, Demokratie im Alltag lebendig zu halten.

Grafik: Kathleen Rother Redaktion 2 Monaten vor 0

Zum Europatag erinnert Wiesbaden an die Wurzeln Europas – und ruft seine Bürger dazu auf, die Zukunft aktiv mitzugestalten.

Europa klingt oft nach fernen Gipfeln, komplizierten Richtlinien und langen Nächten in Konferenzsälen. Nicht am Samstag. Am 9. Mai, dem offiziellen Europatag, rückt eine andere Perspektive in den Vordergrund: Europa entsteht nicht nur in Brüssel – es wächst im Alltag. In Städten wie Wiesbaden, zwischen Marktplatz und Schulhof, zwischen Vereinsleben und Partnerschaften.

Die Schuman-Erklärung vom Mai 1950

Am 9. Mai 1950 schlug der französische Außenminister Robert Schuman in einer Rede die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) vor, deren Mitglieder ihre Kohle- und Stahlproduktion zusammenlegen sollten.

Die EGKS (Gründungsmitglieder: Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Belgien und Luxemburg) war die erste von mehreren supranationalen europäischen Institutionen, aus denen schließlich die heutige Europäischen Union hervorging.

Die Schuman-Erklärung vom Mai 1950

Im Jahr der Schuman-Erklärung kämpften sich die europäischen Nationen noch mühsam aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs hervor, der erst fünf Jahre zuvor zu Ende gegangen war.

Um weiteren Kriegen vorzubeugen, einigten sich die Regierungen einiger europäischer Länder darauf, ihre Kohle- und Stahlproduktion zusammenzulegen. Auf diese Weise wollten sie einen weiteren Krieg zwischen den Erzrivalen Frankreich und Deutschland „nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich“ machen, wie es wörtlich in der Schuman-Erklärung heißt.

Sie gingen zu Recht davon aus, dass ein Zusammenschluss ihrer wirtschaftlichen Interessen zu einer Erhöhung des Lebensstandards führen würde – der erste Schritt zu einem geeinten Europa war getan. Die Mitgliedschaft in der EGKS stand auch anderen Ländern offen. (Quelle: Europa-Union)

Europadezernentin Maral Koohestanian erinnert an die historische Wegmarke, die diesen Tag geprägt hat: die Schuman-Erklärung. Mit ihr begann 1950 ein politisches Experiment, das aus ehemaligen Gegnern Partner machte. Aus Konkurrenz entstand Kooperation, aus Misstrauen ein gemeinsames Projekt.

Erinnerung trifft Gegenwart

Koohestanian beschreibt Europa nicht als fertiges Gebilde, sondern als Prozess. Einer, der Beteiligung braucht. „Ein starkes Europa entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen“, sagt sie. Ein Satz, der in Wiesbaden nicht abstrakt bleibt.

Zuletzt setzte die Stadt im Zukunftswerk ein sichtbares Zeichen: Eine Ausstellung erinnerte an die Menschenrechtsarbeit des Europarat. Kein rückwärtsgewandter Blick, sondern ein Impuls für die Gegenwart. Wer durch die Ausstellung schritt, begegnete nicht nur Geschichte, sondern auch Fragen: Wie offen ist unsere Gesellschaft? Wie belastbar unsere Demokratie?

Europa lebt vom Mitmachen

Die Antwort darauf sucht Wiesbaden nicht allein in offiziellen Reden. Die Stadt setzt auf Austausch – und auf Begegnungen. Seit Jahren pflegt Wiesbaden Kontakte zu europäischen Partnerstädten, organisiert Projekte, bringt Menschen zusammen. Schüler reisen, Vereine kooperieren, Ideen wandern über Grenzen hinweg.

Doch das reicht der Stadt nicht. Sie öffnet die Tür weiter. Das Europareferat lädt Bürger ein, ihre Vorstellungen einzubringen: Wie soll Wiesbaden als Europastadt aussehen? Welche Ideen tragen ein gemeinsames Europa in den Alltag?

Vorschläge können direkt per E-Mail eingereicht werden. Die Verwaltung prüft sie, greift ausgewählte Impulse auf – und belohnt Engagement ganz pragmatisch mit einem kleinen Europapräsent. Ein symbolischer Akt, der zeigt: Beteiligung bleibt nicht folgenlos.

Zwischen Vision und Wirklichkeit

Europa steht unter Druck. Krisen, Konflikte, politische Spannungen – all das prägt die Debatten. Gerade deshalb wirkt der Europatag wie ein Moment des Innehaltens. Nicht pathetisch, sondern nachdenklich. Wiesbaden nutzt diesen Tag, um eine einfache Botschaft zu senden: Europa ist kein fernes Projekt. Es beginnt dort, wo Menschen miteinander sprechen, streiten, Lösungen suchen. Manchmal auch dort, wo jemand eine Idee aufschreibt und sie abschickt.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Stärke dieses Kontinents: dass er sich immer wieder neu erfindet – nicht von oben, sondern von unten.

Foto oben 2023 Pixabay

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Mehr von der Europäischen Kommission und der Vertretung in Deutschland finden Sie unter germany.representation.ec.europa.eu.

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