Mehr Starts, mehr Überflüge, mehr Lärm: Wiesbaden sieht die neuen Ausbaupläne am Flughafen Frankfurt kritisch.
Die Debatte um den Fluglärm rund um den Flughafen Frankfurt gewinnt erneut an Schärfe. Grund ist ein geändertes Betriebskonzept, mit dem der Flughafen bis 2033 deutlich mehr Starts und Landungen abwickeln möchte. Besonders Wiesbaden könnte davon spürbar betroffen sein. Nach Einschätzung der Fluglärmkommission Frankfurt werden künftig deutlich mehr Maschinen Richtung Nordwesten starten – und damit häufiger über das Stadtgebiet fliegen.
In einer Sondersitzung hat die Kommission das neue Konzept am Mittwoch zur Kenntnis genommen. Die Landeshauptstadt Wiesbaden, die dort vertreten ist, sieht die Entwicklung mit großer Sorge. Vor allem in den Abendstunden droht für viele Menschen eine zusätzliche Belastung.
Kritik an mehr Überflügen über Wiesbaden
Bürgermeisterin Christiane Hinninger machte deutlich, dass die Stadt die vorgesehenen Änderungen nicht akzeptieren will. „Das geänderte Betriebskonzept wird dazu führen, dass Wiesbaden in den Abendstunden stärker von Fluglärm betroffen sein wird. Das ist eine auch gesundheitlich zusätzliche Belastung, die nicht hinnehmbar ist“, erklärte die Dezernentin.
Für Hinninger steht dabei nicht allein die Zahl der Flugbewegungen im Mittelpunkt. Sie verweist auf die gesundheitlichen Folgen von nächtlichem und abendlichem Fluglärm. Der Schutz der Bevölkerung dürfe nicht hinter wirtschaftliche Interessen zurücktreten. „Der Schutz vor Fluglärm darf nicht den Betriebswünschen des Flughafenbetreibers untergeordnet werden“, betonte sie.
Zugleich fordert die Bürgermeisterin, Kurzstreckenflüge stärker auf die Schiene zu verlagern. Gerade auf stark frequentierten innerdeutschen Verbindungen ließe sich dadurch Lärm vermeiden, ohne die internationale Anbindung der Region zu schwächen.
Versprechen stehen auf dem Prüfstand
Besonders kritisch bewertet die Fluglärmkommission die geplante Nutzung der sogenannten Nordwest-Abflugstrecken. Im ursprünglichen Planfeststellungsverfahren war deren Einsatz nur für Ausnahmefälle vorgesehen. Damals ging man von einem Anteil von rund 1,5 Prozent der Abflüge aus.
Nach den nun vorgestellten Planungen könnten künftig jedoch durchschnittlich bis zu 25 Prozent der Starts am Tag und 20 Prozent in der Nacht über diese Routen erfolgen. Für Wiesbaden würde das deutlich mehr Flugbewegungen über dicht besiedelten Gebieten bedeuten.
Die größte Belastung droht nach Einschätzung der Kommission zwischen 22 und 23 Uhr. In dieser Zeit konzentrieren sich die Nordwest-Abflüge besonders stark. Gerade diese Stunde gilt aus gesundheitlicher Sicht als sensibel, weil viele Menschen zur Ruhe kommen oder bereits schlafen.
Forderung nach Lärmpausen
Die Fluglärmkommission fordert deshalb, die Zahl der Nordwest-Abflüge auf das betrieblich notwendige Minimum zu begrenzen. Darüber hinaus soll die Deutsche Flugsicherung prüfen, ob zusätzliche Zeitfenster für Lärmpausen geschaffen werden können – sowohl in den Nachtstunden als auch in anderen besonders sensiblen Zeiten.
Ob und in welchem Umfang die Forderungen berücksichtigt werden, wird die weitere Diskussion um die Zukunft des Flughafens Frankfurt zeigen. Für Wiesbaden ist die Richtung jedoch klar: Mehr Flugverkehr darf nicht automatisch mehr Fluglärm für die Menschen in der Region bedeuten.
Foto – Flugzeug auf dem Rollfeld ©2022 CCO Public Domain
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Anzeigetafel: Abflüge am Frankfurter Flughafen.




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