Hessen sieht Fortschritte im Bahnhofsviertel. Ein Jahr nach Start des Sieben-Punkte-Plans sinken Straftaten und Ermittlungen greifen schneller.
Ein Jahr nach dem Start des Sieben-Punkte-Plans zieht die hessische Landesregierung eine erste Bilanz für das Frankfurter Bahnhofsviertel. Mehr Polizeipräsenz, verstärkte Kontrollen und zusätzliche Hilfsangebote für Suchtkranke zeigen nach Angaben der Landesregierung bereits Wirkung.
Ministerpräsident Boris Rhein stellte die Zwischenbilanz am Montag in Wiesbaden vor. Ziel des Maßnahmenpakets bleibt es, die Sicherheit im Viertel zu erhöhen, die Drogensucht besser zu bekämpfen und das Vertrauen in staatliches Handeln zu stärken.
Mehr Polizei, mehr Ermittlungen
Seit Beginn der Maßnahmen verstärkte die Polizei ihre Präsenz im Viertel deutlich. Nach Angaben von Innenminister Roman Poseck führten Beamte fast 100 zusätzliche Kontrollen durch. Diese Strategie hätten den Druck auf Dealer und andere Straftäter erhöht. Ermittler nutzten zudem moderne Videoschutzanlagen. Die Polizei setze dabei auch auf KI-gestützte Videoüberwachung, die Verdächtige schneller erkenne und identifiziere.
Die Zahlen zeigten erste Effekte: Die Zahl der Straßenraube sei innerhalb eines Jahres um 73 Fälle auf 198 gesunken. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote von rund 33 auf knapp 42 Prozent. Ermittler sicherten außerdem mehr als 37 Kilogramm Marihuana.
Hilfe für Suchtkranke und Wohnungslose
Der Sieben-Punkte-Plan setzt nicht nur auf Repression. Gesundheitsministerin Diana Stolz betont, dass Suchterkrankte auch Beratung und medizinische Hilfe benötigen. Neue Angebote sollen deshalb niedrigschwellig wirken und Menschen schneller erreichen.
Zudem bauen Behörden Hilfsangebote weiter aus. Eine neue Ausgabestelle der Tafel entstehe, Sozialdienste würden enger zusammenarbeiten und ihre Arbeit stärker mit Gesundheits- und Sicherheitsbehörden koordinieren.
Wohnung als erster Schritt
Auch sozialpolitische Projekte kommen voran. Sozialministerin Heike Hofmann nannte etwa ein Housing-First-Projekt, das Menschen ohne Wohnung direkten Zugang zu Wohnraum ermöglicht. Der Ansatz setzt darauf, Stabilität zu schaffen, bevor Therapie oder Beratung greifen. Behörden wollen damit verhindern, dass Menschen erneut in Wohnungslosigkeit und Abhängigkeit geraten.
Behörden arbeiten enger zusammen
Parallel intensiviert die Justiz ihre Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft. Ein Bereitschaftsstaatsanwalt fungiert als zentraler Ansprechpartner für das Viertel. Justizminister Christian Heinz erwartet dadurch schnellere Entscheidungen und effizientere Ermittlungen. Die Behörden wollen so konsequenter gegen organisierte Kriminalität im Frankfurter Bahnhofsviertel vorgehen.
Ein langer Weg
Die Landesregierung sieht den Plan als Zwischenschritt. Der Kampf gegen Drogenhandel, Kriminalität und soziale Not bleibe eine langfristige Aufgabe. Im Bahnhofsviertel zeigt sich jedoch bereits, dass mehr Kontrollen, soziale Hilfe und koordinierte Behördenarbeit zusammenwirken können. Das Viertel bleibt schwierig – aber Bewegung ist erkennbar.
Symbolfoto ©2026 Pixabay
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