Ampeln erkennen die Anzahl der Autos und übernehmen die Steuerung des Verkehrs. Sensoren messen die Luftqualität, und beeinflussen den Verkehr.

In einem bundesweiten Referenzprojekt digitalisiert Wiesbaden in Zusammenarbeit mit der Siemens Mobility GmbH seine Ampeln und damit die Verkehrssteuerung. Dazu werden derzeit im gesamten Stadtgebiet die Ampelanlagen aufgerüstet. Ziel ist eine optimierte Verkehrssteuerung für alle Verkehrsteilnehmer.

„Mittels DIGI-V können wir endlich alle Verkehrsarten gleichberechtigt an den Ampeln berücksichtigen. Bislang war es üblich, dem motorisierten Verkehr Vorrang zu geben.

Andreas Kowol, Verkehrsdezernent

Um für alle ein ideale Verkehrssteuerung zu gewährleisten, bedarf es einer umfangreichen Datenerfassungen, sodass aktuell zahlreiche Verkehrs- und Umweltdaten erhoben und analysier werden, um später schneller und besser auf die komplexe Verkehrssituation und die Einhaltung der Luftschadstoffbelastungen reagieren zu können. Die neuen Ampeln sollen bis Ende 2020 im Verbund mit einem Zentralrechner in der Lage sein, eine präzise Erfassung der Verkehrssituation und der Schadstoffemission in Echtzeit zu liefern. Darüber hinaus sollen die Ampeln in der Lage sein, mit Hilfe von künstlicher Intelligenz eine optimale Verkehrssteuerung vorzubereiten. Gemessen werden dann neben der Verkehrsdichte auch die Anteile der Verkehrsarten sowie die Schadstoffe Stickoxid, Ozon und Feinstaub.

„Künftig erhalten Radfahrer ein eigenes Ampelsignal und werden so den Autos gleichgestellt. Auch die Wartezeiten für Fußgänger werden sich mit Hilfe von DIGI-V deutlich verringern..“

Andreas Kowol, Verkehrsdezernent

Nachdem bereits 30 Ampelanlagen in Außenbezirken der Stadt modernisiert wurden, werden aktuell die Lichtsignalanlagen auf den großen innerstädtischen Verbindungen 1. Ring und Schiersteiner Straße digitalisiert. Neben der Ausstattung mit Sensoren und vernetzten Recheneinheiten zählt dazu auch der Wechsel der Leuchtmittel auf moderne und stromsparende LED-Technik. LEDs (Light Emitting Diodes).

„Über DIGI-V kann außerdem im gesamten Netz von ESWE-Verkehr der Busverkehr bevorrechtigt werden. Damit sind Verkehrsverlagerungen – wie jetzt vom 1. auf den 2. Ring – deutlich einfacher umzusetzen.“

Andreas Kowol, Verkehrsdezernent

Insgesamt werden in Wiesbaden 226 Ampeln umgebaut, 50 davon erhalten Umwelt- bzw. Wettersensoren. Dazu kommen ca. 250 unterschiedliche Kameratypen. Diese dienen der Verkehrszählung und -erkennung. An den großen Verkehrsknotenpunkten werden in rund acht Metern Höhe Videokameras aufgehängt, um in Echtzeit einen Gesamtüberblick über die Verkehrssituation zu erhalten. Alle Kameras können im Sinne des Datenschutzes keine Nummernschilder und Gesichter lesen, sondern nur zwischen grundlegenden Verkehrstypen – Bus, Lkw, Pkw, Fahrrad oder Fußgänger – unterscheiden. Die Fahrzeuganzahl und -klassifizierung sind wichtige Einflussgrößen für die verkehrsbedingten Emissionen und stellen somit eine grundlegende Datenquelle für analytische Zusammenhänge und die umweltsensitive Verkehrssteuerung dar.

„Konzeptionell sind wir weit vorne, und unsere besondere Berücksichtigung des Datenschutzes macht DIGI-V derzeit weltweit einmalig.

Dr. Petra Beckefel, Leiterin des städtischen Tiefbau- und Vermessungsamtes,

Die Leiterin des städtischen Tiefbau- und Vermessungsamtes, Dr. Petra Beckefeld, hat das Projekt vor einigen Wochen als deutsches Referenzprojekt in der philippinischen Hauptstadt Manila vorgestellt und dort von den Experten viel Anerkennung erfahren. „Konzeptionell sind wir weit vorne, und unsere besondere Berücksichtigung des Datenschutzes macht DIGI-V derzeit weltweit einmalig. In Südkorea und China gibt es ähnliche Projekte, die aber stark auf eine vollständige Erfassung von Nummernschildern und Bewegungsprofilen setzen. Das ist mit unseren Ansprüchen an die informationelle Selbstbestimmung nicht vereinbar.“

„Auch für Siemens Mobility ist DIGI-V ein Leuchtturmprojekt. Als langjähriger Experte für Verkehrstechnik leisten wir damit einen starken Beitrag für saubere Luft in Wiesbaden. Das Projekt ist in seiner Art bislang einzigartig in Deutschland

David Kaimer, Vertriebsleiter von Siemens Mobility Deutschland

Siemens Mobility liefert für das Projekt nicht nur die erforderliche Infrastruktur, sondern nutzt auch Verkehrs- und Umweltsimulationsmodelle zur Prognose. Mithilfe von „Big Data Analytics“ können die Datenmengen aus den verschiedenen Quellen verarbeitet und verknüpft werden. Aus den ermittelten Verkehrs- und Umweltdaten können Zusammenhänge und Maßnahmen identifiziert werden. Sie bilden die Grundlage für eine aktive, umweltsensitive Verkehrssteuerung.

Stickstoffdioxid Belastung

Wiesbaden gehört seit Jahren zu den rund 70 Städten in Deutschland, die mit regelmäßigen Überschreitungen des Stickstoffdioxid-Jahresmittelgrenzwertes von Dieselfahrverboten und gerichtlichen Zwangsmaßnahmen bedroht ist. Mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket haben die Stadtverordneten ein drohendes Dieselfahrverbot abwenden können. (Wiesbaden lebt! berichtete – Bild – aus der Präsentation zum 16. Hessischer Mobilitätskongress 2018. ©2019 Dr. Uwe Conrad Stellvertretender Leiter Tiefbau-und VermessungsamtLandeshauptstadt Wiesbaden)

Weitere Nachrichten lesen Sie hier.

Die offizielle Internetseite zur Hessenstrategie Mobilität 2035 finden Sie unter www.mobileshessen2030.de

Sie möchten keinen Beitrag mehr verpassen und stets aktuell informiert sein? Dann bestellen Sie doch gleich unseren Newsletter oder folgen uns auf Twitter, Instagram und werden Sie Fan von Wiesbaden lebt!