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Winkelförmige Gedenktafeln aus rotem Granit mit der Inschrift „Totgeschlagen, totgeschwiegen“ wurden an verschiedenen Gedenkorten angebracht, hier am U-Bahnhof Nollendorfplatz in Berlin

Die Häftlinge mit dem rosa Winkel

Das Kunsthaus Wiesbaden zeigt mit der Ausstellung „Rosa Winkel“ die Geschichte homosexuell verfolgter Männer in den Konzentrationslagern Buchenwald und Mittelbau-Dora. Ein Vortrag von Dr. Alexander Zinn und Musik des Chors „Die Uferlosen“ vertiefen die historische Spurensuche am 18. März im Kunsthaus.

Grafik: Kathleen Rother Redaktion 3 Monaten vor 0

Unter den Millionen, die vom nationalsozialistischen Regime verfolgt und ermordet wurden, waren auch schwule Männer und andere queere Menschen.

Im Kunsthaus Wiesbaden auf dem Schulberg herrscht in diesen Wochen eine besondere Stille. Sie entsteht nicht aus Leere, sondern aus Aufmerksamkeit. Zwischen Dokumenten, Fotografien und biografischen Skizzen erzählt die Ausstellung „Rosa Winkel. Als homosexuell verfolgte Häftlinge in den Konzentrationslagern Buchenwald und Mittelbau-Dora“ von Männern, die das NS-Regime verfolgte, entwürdigte und ermordete.

Kunsthaus Wiesbaden, kurz gefasst

Ausstellung – Rosa-Winkel-Häftlinge
Eintritt: frei
Öffungszeiten: dienstags bis sonntagsc11 bis 17 Uhr,
sowie donnerstags von 11 bis 19 Uhr (ab Sonntag, 1. März, von 13 bis 19 Uhr)
Vortrag: Mittwoch, 18. März 2026, 18:00 Uhr
Wann: Mittwoch, 11. Februar bis 17. April 2026
Wo: KunstHaus Wiesbaden, Schulberg 10, 65183 Wiesbaden

Das Stadtarchiv Wiesbaden holt die von Studierenden der Friedrich-Schiller-Universität Jena gemeinsam mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora erarbeitete Schau in die Stadt – und öffnet damit einen Raum, der lange verschlossen blieb.

Verfolgung, die weiterwirkte

Über Jahrzehnte schwieg die Gesellschaft über das Schicksal jener Männer, die man in den Lagern mit einem rosa Stoffdreieck kennzeichnete. Der sogenannte „Rosa Winkel“ brannte sich nicht nur in die Häftlingskleidung ein, sondern auch in Biografien, die nach 1945 kaum Anerkennung fanden.

Am Mittwoch, 18. März, spricht der Historiker und Soziologe Dr. Alexander Zinn im Kunsthaus Wiesbaden über diese Verfolgungsgeschichte. Er zeichnet Lebenswege nach, erläutert die juristischen Grundlagen der Repression nach den Paragrafen 175 und 175a und zeigt, wie zäh die Bundesrepublik mit der Aufarbeitung rang. Zinn benennt Täterstrukturen, erklärt politische Motive und fragt, warum viele Betroffene nach der Befreiung weiter kriminalisiert blieben.

Musik, die Haltung zeigt

Der queere Chor Die Uferlosen aus Mainz und Wiesbaden begleitet den Abend musikalisch. Die Sänger setzen eigene Texte, sie greifen Themen von Ausgrenzung und Selbstbehauptung auf, sie schlagen eine Brücke in die Gegenwart. Ihre Lieder klingen nicht nur nach Erinnerung, sie fordern Haltung im Heute.

So verbindet das Kunsthaus Wiesbaden historische Recherche mit gegenwärtiger Debatte. Die Ausstellung lädt bis zum 19. April ein, sich Zeit zu nehmen, zu lesen, zu hören, zu fragen. Der Eintritt bleibt frei. Wer teilnehmen möchte, meldet sich per E-Mail beim Stadtarchiv an.

Ein Ort, der Verantwortung übernimmt

Das Kunsthaus Wiesbaden zeigt mit dieser Ausstellung, dass Erinnerung keine Routine kennt. Es öffnet Türen, es ermöglicht Gespräche, es stellt Fragen, die lange verdrängt wurden. Wer durch die Räume geht, begegnet nicht nur Geschichte – er begegnet Menschen, deren Würde man ihnen nehmen wollte und die heute wieder sichtbar werden.

Foto – Winkelförmige Gedenktafeln aus rotem Granit. ©2026 Von Manfred Brueckels – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

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