Mehr als 100 Menschen starteten am Schlossplatz in die Nacht der Kirchen. Danach füllten Musik und Gesang zwölf Gotteshäuser.
Unter freiem Himmel begann ein Abend, der später zwölf Kirchen füllte. Mehr als 100 Menschen standen vor der Marktkirche auf dem sanierten Schlossplatz, als Bläser den ersten Ton setzten. Spätsommer über Wiesbaden, Musik zwischen Rathaus und Kirche – und ein Motto, das sich durch die kommenden Stunden zog: „Singen verbindet“.
Gemeinsam singen statt nur zuhören
Bei der Nacht der Kirchen blieb das Publikum nicht auf die Rolle des Zuhörers beschränkt. Taizé-Gesänge, Gospel, Lieder von Paul Gerhardt oder amerikanische Folksongs: Viele Gemeinden luden ausdrücklich dazu ein, selbst die Stimme zu erheben.

Schon die ökumenische Andacht zur Eröffnung machte daraus mehr als einen musikalischen Programmpunkt. Das „Kirchenblech“ unter Leitung des katholischen Kantors Roman Bär begleitete die Besucher. „Beim Singen spüren wir Energie und Lebenskraft“, sagte die evangelische Stadtkirchenpfarrerin Bettina Friemelt.
Jürgen Otto, Leiter der katholischen Region Wiesbaden | Rheingau | Taunus, beschrieb Gesang als „Balsam für die Seele“. Er könne Trauer und Verzweiflung ebenso aufnehmen wie Freude und Hingabe.
Nacht der Kirchen füllte die Gotteshäuser
Danach verteilte sich das Publikum über die Innenstadt. Der Kammerchor des Bachchors sang vor vollbesetzten Reihen in der Lutherkirche, in der Dreifaltigkeitskirche erklang Bach auf der Orgel. Die anglikanische Gemeinde feierte ihren traditionellen Evensong.
Doch die Nacht der Kirchen setzte nicht allein auf Musik. Führungen öffneten Türen zu Kirchen und Türmen, Organisten erklärten ihre Instrumente, hinzu kamen Lesungen, Ausstellungen, Filme und Andachten. Zwischen den Programmpunkten blieb Raum für Gespräche – und für Besucher, die Kirchen einmal jenseits eines klassischen Gottesdienstes erleben wollten.

Ökumene seit mehr als 20 Jahren
Seit mehr als zwei Jahrzehnten gestalteten evangelische, katholische, altkatholische, anglikanische und neuapostolische Gemeinden die Nacht der Kirchen gemeinsam. Auch diesmal blieb der Eintritt frei, die Einladung richtete sich ausdrücklich an Menschen ohne konfessionelle Bindung.
Vielleicht lag darin ein Teil ihres Erfolgs: Für einige Stunden wurden Wiesbadens Kirchen zu offenen Stadträumen. An diesem Abend hatten sie vor allem eines gemeinsam – viele Menschen und viele Stimmen.
Foto oben ©2023 Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN)
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