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Visualisierung einer Magnetschwebebahn zwischen Wiesbaden und dem geplanten neuen Stadtquartier Ostfeld.

Schwebt mit der Magnetschwebebahn auch das Ostfeld?

Magnetschwebebahn oder Straßenbahn? In der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung entwickelte sich die Anbindung des Ostfelds zur Grundsatzdebatte. SPD und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende warnten vor zusätzlichen Projektrisiken – betroffen wären Wohnungsbau, Fördermittel und der geplante BKA-Campus.

Volker Watschounek 1 Monat vor 0

Magnetschwebebahn oder Tram? Die Anbindung des Ostfelds sorgt im Rathaus für Streit – mit möglichen Folgen für Zeitplan, Förderung und den BKA-Campus.

Nach der Fragestunde rückte am vergangenen Donnerstagabend bei der Stadtverordnetenversammlung ein Thema in den Mittelpunkt, das weit über eine neue Verkehrstechnik hinausreicht. Unter Tagesordnungspunkt 5 berieten die Stadtverordneten auf Antrag der SPD (26-F-01-0022) über eine mögliche Magnetschwebebahn zwischen dem Ostfeld und dem Wiesbadener Hauptbahnhof – und damit über die künftige Erschließung des größten Stadtentwicklungsprojekte Wiesbadens.

Schnell wurde deutlich, dass es nicht nur um eine Bahnverbindung geht. Diskutiert wurden Wohnraum für rund 10.000 Menschen, der geplante Campus des Bundeskriminalamts, Millioneninvestitionen sowie die Frage, wie viele zusätzliche Risiken das ohnehin komplexe Ostfeld-Projekt verkraftet.

Die SPD verlangt vom Magistrat eine umfassende Bewertung der Magnetschwebebahn – technisch, wirtschaftlich, rechtlich und mit Blick auf die Förderfähigkeit. Außerdem soll geklärt werden, welche Auswirkungen ein solches System auf den Zeitplan des Ostfelds und den geplanten BKA-Standort hätte.

Hintergrund ist der Koalitionsvertrag von CDU, FDP/ProAuto, Grünen und Volt. Darin wird die Magnetschwebebahn als eine mögliche Variante für die Erschließung des Ostfelds genannt. Parallel sollen unter anderem auch eine Straßenbahn, eine S-Bahn-Anbindung und weitere schienengebundene Lösungen untersucht werden.

SPD sieht Wohnungsbau und BKA gefährdet

Für die SPD reicht die Debatte weit über eine technische Frage hinaus. Die Stadtverordnete Sabine Ludwig Braun (SPD) erinnerte daran, dass das Ostfeld nach den bisherigen Beschlüssen weitgehend autoarm entstehen und leistungsfähig an den öffentlichen Nahverkehr angebunden werden soll.

„Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für unsere Stadt“, sagte Braun. Das Ostfeld biete die Chance, ein klimaneutrales Quartier für rund 10.000 Menschen zu schaffen. Eine leistungsfähige Schienenanbindung sei dafür Voraussetzung.

Die Sozialdemokraten halten die Magnetschwebebahn allerdings für den falschen Weg. Sie verweisen auf den Charakter als eigenständiges Verkehrssystem, mögliche Umsteigezwänge sowie offene Fragen bei Kosten, Förderung und langfristigem Betrieb.

Besonders kritisch bewertet die SPD die Auswirkungen auf den geplanten BKA-Campus. Nach ihrer Darstellung hängen mehr als 5.000 Arbeitsplätze an dem Bundesprojekt. Verzögere sich die notwendige Verkehrsanbindung oder scheitere sie an den Vorgaben der Regionalplanung, könne dies auch Folgen für den Behördenstandort haben. „Wir wollen, dass das BKA in Wiesbaden bleibt“, sagte Braun. Die Konzentration auf eine Magnetschwebebahn gefährde aus Sicht der SPD sowohl den Wohnungsbau als auch den Behördenstandort.

Breite Skepsis – aus unterschiedlichen Gründen

Auffällig war, dass die Magnetschwebebahn in mehreren Fraktionen auf Skepsis stieß – obwohl die Positionen zum Ostfeld selbst weit auseinanderliegen. Die AfD warf der SPD zwar vor, die Frage der Verkehrsanbindung über Jahre nicht gelöst zu haben. Gleichzeitig bezeichnete sie die Magnetschwebebahn als teures Inselsystem ohne belastbare Aussagen zu Wirtschaftlichkeit sowie Betriebs- und Wartungskosten. Wiesbaden dürfe nicht zum „Versuchslabor“ werden.

Auch die Freien Wähler äußerten Zweifel. Eine Bahn, die weder bestehende S-Bahn- noch Eisenbahninfrastruktur nutzen könne und zusätzliche Umstiege erforderlich mache, sei für einen neuen Stadtteil kaum überzeugend. Die Linke sprach sich ausdrücklich für eine Straßenbahn aus. Sie sei leistungsfähiger und besser in das bestehende Netz integrierbar. Unterstützung erhielt sie vom Jugendparlament, das ebenfalls dafür warb, auf bewährte Verkehrssysteme zu setzen.

FDP: Erst prüfen, dann entscheiden

Die FDP widersprach dem Eindruck, die Koalition habe sich bereits auf eine Magnetschwebebahn festgelegt. Stadtverordneter Alexander Winkelmann (FDP) betonte, der Koalitionsvertrag sehe lediglich eine Prüfung verschiedener Möglichkeiten vor. Er verwies auf mögliche Vorteile eines berührungslos fahrenden Systems. Es könne automatisiert betrieben werden, verursache weniger Verschleiß und ermögliche aufgeständerte Trassen, die Flächen am Boden freihielten.

Entscheidend sei jedoch die Förderfähigkeit. Genau diese müsse eine Machbarkeitsstudie beantworten. Zudem verwies die FDP auf politische Überlegungen des Bundes, die Förderung entsprechender Technologien auszuweiten. Eine Rückkehr zur Straßenbahn lehnt die Partei dagegen ab. Sie verweist auf den Bürgerentscheid von 2020, bei dem die Citybahn gescheitert war.

Mende warnt vor zusätzlichen Risiken

Den politisch markantesten Beitrag lieferte Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende. „Mir ist es ein ganz wichtiges Anliegen, keine zusätzlichen Projektrisiken in das Projekt Ostfeld aufzunehmen“, sagte er. Mende erinnerte daran, dass das Ostfeld über Jahre von einer breiten politischen Mehrheit getragen worden sei. Diese Kontinuität sei für ein Stadtentwicklungsprojekt, das mehrere Wahlperioden umfasse, von großer Bedeutung. Den neuen Koalitionsvertrag bezeichnete er mit Blick auf die Verkehrsanbindung als „ein kleines bisschen indifferent“. Gerade diese Unklarheit könne selbst zum Projektrisiko werden.

Zugleich verwies der Oberbürgermeister auf eine bereits laufende europaweit ausgeschriebene Machbarkeitsstudie. Sie untersucht verschiedene Schienenlösungen und stellt ihnen eine Busanbindung als Referenz gegenüber. Die Untersuchung hat begonnen und soll im November 2027 abgeschlossen werden. Eine nachträgliche Erweiterung des Untersuchungsauftrags sieht Mende kritisch. Im schlimmsten Fall könnte ein neues Vergabeverfahren notwendig werden.

„Wir fangen damit von vorne an“, warnte der Oberbürgermeister.

Förderfähigkeit bleibt der Knackpunkt

Im Mittelpunkt der Debatte stand immer wieder die Finanzierung. Mende machte deutlich, dass eine Förderung einer Magnetschwebebahn nach der derzeitigen Rechtslage keineswegs gesichert sei. Politische Absichtserklärungen auf Bundesebene ersetzten keine geltenden Förderbestimmungen.

Gerade wenn die neue Koalition die finanziellen Risiken des Ostfelds begrenzen wolle, dürfe sie diese nicht durch zusätzliche Prüfaufträge erhöhen, argumentierte der Oberbürgermeister.

Auch Verkehrsdezernent Marc Dahlen warnte vor vorschnellen Schlüssen. Eine Nahverkehrs-Magnetschwebebahn sei nicht mit einem Hochgeschwindigkeitssystem gleichzusetzen. Technische Machbarkeit, verkehrlicher Nutzen und Förderfähigkeit müssten getrennt bewertet werden.

Entscheidung vertagt

Eine Entscheidung für oder gegen die Magnetschwebebahn fiel an diesem Abend nicht. Die Stadtverordneten überwiesen den SPD-Antrag sowie einen Ergänzungsantrag der Linken zur weiteren Beratung in den Ausschuss für Mobilität. Damit bleibt die entscheidende Frage offen: Mit welchem Verkehrssystem soll das Ostfeld künftig erschlossen werden?

Von der Antwort hängen nicht nur die Mobilität eines neuen Stadtteils und die Entwicklung eines klimaneutralen Quartiers ab. Sie beeinflusst auch Zeitplan und Finanzierung der Entwicklungsmaßnahme sowie die Perspektive des geplanten BKA-Campus.

Die Debatte hat gezeigt, dass die Verkehrsanbindung des Ostfelds längst mehr ist als eine technische Detailfrage. Sie ist zu einer politischen Grundsatzentscheidung über die Zukunft des neuen Stadtteils geworden.

Foto-Monatge ©2026 KI-generiert

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