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Ostfeld Wiesbaden – Entwurf für das neue Stadtquartier

Ostfeld: Zuschussbedarf steigt auf 286 Millionen Euro

Das Ostfeld kommt planerisch voran – doch die finanzielle Prognose verschlechtert sich deutlich. Laut neuem Jahresbericht steigt der errechnete Zuschussbedarf Wiesbadens um 76 Millionen auf 286 Millionen Euro. Ursache sind vor allem sinkende Baulandpreise und steigende Baukosten. Gleichzeitig schreiten BKA-Campus und Stadtquartier voran.

Volker Watschounek 2 Wochen vor 0

Der Jahresbericht zum Ostfeld zeigt Fortschritte bei der Planung – aber auch einen deutlich gestiegenen Finanzbedarf der Stadt.

Das Ostfeld nimmt auf dem Papier weiter deutlichere Konturen an – und wird nach aktuellen Berechnungen für Wiesbaden zugleich erheblich teurer. Der neue Jahresbericht zur städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM) dokumentiert nicht nur Fortschritte bei Rahmenplanung, BKA-Campus, Energie- und Wasserkonzept. Er enthält auch eine Zahl, die in den kommenden politischen Beratungen für Diskussionen sorgen dürfte: Der rechnerische Zuschussbedarf der Stadt steigt gegenüber dem Vorjahr um 76 Millionen Euro auf nun 286 Millionen Euro.

Damit rückt neben Städtebau, Wohnungsnot und Infrastruktur die Finanzierung des größten Wiesbadener Stadtentwicklungsprojekts stärker in den Mittelpunkt.

76 Millionen Euro mehr als im Vorjahr

Stadtplanungsamt und Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden (SEG) haben den Jahresbericht zunächst dem Magistrat vorgelegt. Anschließend beschäftigt sich die Stadtverordnetenversammlung damit. Im Oktober und November soll der Bericht außerdem in den Ortsbeiräten Kastel, Erbenheim, Amöneburg, Biebrich und Südost vorgestellt werden.

Die neue Kostenprognose ist dabei keine Abrechnung bereits ausgegebener 286 Millionen Euro. Die sogenannte Kosten- und Finanzierungsübersicht, kurz KoFi, schreibt die erwarteten Ausgaben und Einnahmen bis zum vorgesehenen Abschluss der Entwicklungsmaßnahme fort. Solche Übersichten dienen bei städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen der Finanzplanung und werden mit fortschreitender Planung konkretisiert.

Nach Angaben der Stadt verschlechtert sich die Rechnung vor allem durch zwei gegenläufige Entwicklungen: Während die angenommenen Baulandpreise sinken, steigen die Baupreise. Weniger erwartete Einnahmen treffen damit auf höhere Ausgaben. Die Stadt weist außerdem darauf hin, dass sich die Prognose wieder verändern kann. Entwickeln sich Grundstücks- und Baupreise anders, wird dies in den kommenden jährlichen Fortschreibungen berücksichtigt.

Ostfeld soll Wohnraum für 10.000 Menschen schaffen

Hinter der Finanzdebatte steht eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Wiesbadens. Südlich der A66 soll rund um das Biehler Wäldchen auf etwa 70 Hektar ein neues Quartier für mindestens 10.000 Menschen entstehen. Nördlich der Autobahn ist auf rund 30 Hektar der neue zentrale Campus des Bundeskriminalamtes geplant. Der gesamte Entwicklungsbereich umfasst etwa 450 Hektar. Nach Angaben der Stadt sollen rund drei Viertel davon einer naturnahen Entwicklung vorbehalten bleiben.

Zum Wohnungsbau kommt eine Infrastruktur, die praktisch einen neuen Stadtteil versorgen muss. Vorgesehen sind unter anderem 60 Kita-Gruppen, zwei Grundschulen und zwei weiterführende Schulen sowie Grün-, Sport- und Erholungsflächen. Hinzu kommen Nahversorgung, Dienstleistungen und weitere öffentliche Einrichtungen.

Genau diese Infrastruktur spielt auch bei der finanziellen Bewertung eine Rolle. Die Stadt argumentiert, dass dem errechneten Zuschussbedarf ein erheblicher materieller Gegenwert gegenübersteht: Schulen, Kindertagesstätten, Straßen, Grünflächen und Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge entstehen zusammen mit dem neuen Quartier.

Planer arbeiten an Wasser, Klima und Verkehr

Der Jahresbericht Ostfeld zeigt zugleich, wie weit sich das Projekt inzwischen aufgefächert hat. Im zurückliegenden Berichtszeitraum wurden Vergabeverfahren für die städtebauliche Rahmenplanung vorbereitet und durchgeführt. Hinzu kommen Fachplanungen zu Wasser, Klima, Mobilität, Schallschutz sowie Einzelhandel, Dienstleistungen und Gewerbe.

Die Kommission Ostfeld hat zudem Vorzugsvarianten für ein nachhaltiges Energie- und Wasserkonzept festgelegt. Diese sollen in den kommenden Planungsschritten weiter ausgearbeitet werden.

Parallel dazu laufen Arbeiten, die auf dem Gelände selbst bereits sichtbar oder notwendig sind. Die SEG setzte Kampfmittelräumungen und archäologische Grabungen fort. Zugleich wurden Fachgutachten für die Bauleitplanung weitergeführt und Grundstücke erworben.

BKA-Campus kommt parallel voran

Eine eigene Dynamik hat inzwischen der geplante BKA-Campus nördlich der A66 entwickelt. Dort soll das Bundeskriminalamt seine bislang über Wiesbaden verteilten Standorte an einem zentralen Behördenstandort bündeln. Das Bauleitplanverfahren dafür läuft bereits. Die Stadtverordnetenversammlung hatte im April 2025 die Aufstellung des Bebauungsplans und die parallel erforderliche Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen. Vorgesehen ist ein Campus, auf dem perspektivisch bis zu 7.000 Beschäftigte arbeiten können.

Wie groß das öffentliche Interesse an diesem Teil des Ostfelds ist, zeigte sich im Mai. Rund 250 Menschen kamen nach Angaben der Stadt zu einem Informationsabend im Bürgerhaus Erbenheim. Dort wurden der weiterentwickelte städtebauliche Entwurf, der Vorentwurf des Bebauungsplans und Erkenntnisse aus Fachgutachten vorgestellt.

Finanzierung hängt an den Grundstücken

Das Finanzierungsmodell der SEM unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Bauprojekt der Stadt. Ein wesentlicher Teil der Entwicklung soll über die Wertsteigerung der Grundstücke finanziert werden. Vereinfacht gesagt: Die Stadt beziehungsweise der Entwicklungsträger erwirbt Flächen, entwickelt das Gebiet und erzielt später bei der Vermarktung der baureifen Grundstücke höhere Erlöse.

Die Differenz zwischen den erwarteten Einnahmen und den Kosten für Grunderwerb, Planung, Erschließung und öffentliche Infrastruktur entscheidet wesentlich darüber, wie hoch am Ende der kommunale Zuschuss ausfällt.

Genau hier liegt die Unsicherheit der aktuellen Rechnung. Fallen die erzielbaren Baulandpreise niedriger aus, während Planungs-, Bau- und Erschließungskosten steigen, wächst die Lücke. Der aktuelle Jahresbericht beziffert sie nun auf 286 Millionen Euro. Damit ist diese Summe weder eine Schlussrechnung noch ein bereits entstandener Verlust. Sie ist aber eine wichtige finanzielle Momentaufnahme. Und sie zeigt, wie empfindlich das Milliardenprojekt auf Veränderungen am Grundstücks- und Baumarkt reagieren kann.

Jahresbericht Ostfeld geht in die politische Beratung

In den kommenden Wochen wandert der Bericht deshalb durch mehrere politische Gremien. Neben der Stadtverordnetenversammlung beschäftigen sich die räumlich betroffenen Ortsbeiräte mit dem aktuellen Stand. Vertreter von Stadtplanungsamt und SEG sollen dort Fragen beantworten.

Dabei dürfte es nicht allein um Wasser, Energie, Verkehr oder den BKA-Campus gehen. Mit dem Sprung von 210 auf 286 Millionen Euro bekommt die wirtschaftliche Seite des Ostfelds neues Gewicht.

Die eigentliche Frage reicht damit weit über den aktuellen Jahresbericht hinaus: Wie verändern sich Kosten und Grundstückserlöse, während aus Entwürfen verbindliche Planung und schließlich gebaute Stadt wird? Darauf wird Wiesbaden künftig jedes Jahr eine neue Antwort geben müssen.

Foto – So soll das Ostfeld einmal aussehen. ©2026 Studio-Wessendorf DLA-Landschaftsarchitekten Bittkau-Bartfelder

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Informationen zum Ostfeld: Ein neuer Standort für das BKA.

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