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Museum Wiesbaden, Alexej von Jawlensky, Bahnhof-Füssen im März

Museum Wiesbaden holt Schlüsselwerk von Jawlensky

Ein seltenes Werk von Alexej von Jawlensky kommt nach Wiesbaden. „Bahnhof-Füssen im März“ zeigt den Moment des künstlerischen Umbruchs. Mit Unterstützung großer Stiftungen erweitert das Museum Wiesbaden seine bedeutende Sammlung und schließt eine entscheidende Lücke.

Volker Watschounek 4 Wochen vor 0

Ein Schlüsselwerk kehrt zurück: Das Museum Wiesbaden erweitert seine Sammlung um ein frühes Bild von Alexej von Jawlensky.

Schnee liegt noch auf den Flächen, doch er weicht. Linien ordnen sich, Farben treten hervor. Das Bild hält einen Moment fest, in dem sich etwas verschiebt. Es zeigt nicht nur einen Ort – es zeigt eine Entscheidung und entfaltet kein großes Pathos. Es wirkt leise – und entfaltet gerade deshalb Kraft. Zu sehen ist es jetzt im Museum Wiesbaden: gemeiunt ist Bahnhof-Füssen im März, ein Werk aus einer Phase, in der Alexej von Jawlensky seine Malerei neu denkt.

Ein fehlendes Kapitel wird ergänzt

Das Museum bewahrt bereits die weltweit bedeutendste Sammlung des Künstlers. Und doch fehlte bisher ein zentrales Kapitel: die kurze, produktive Zeit im Allgäu im März 1905. Nur etwa zehn Werke aus diesem Aufenthalt lassen sich heute nachweisen. Bahnhof-Füssen im März zählt zu den bekanntesten unter ihnen. Es reiste seit den 1950er-Jahren durch internationale Ausstellungen, tauchte immer wieder in der Forschung auf – und blieb dennoch außerhalb Wiesbadens.

Mit dem Ankauf 2026 ändert sich das. Das Haus besitzt nun 116 Arbeiten Jawlenskys. Die Sammlung wächst nicht nur quantitativ. Sie gewinnt Tiefe.

Zwischen Einflüssen und Aufbruch

Wer genauer hinschaut, erkennt Spuren. Jawlensky reagiert auf Lovis Corinth und Max Liebermann. Er nimmt Impulse der Pointillisten auf. Und er begegnet – vermutlich 1904 – den Werken von Vincent van Gogh. Diese Begegnung wirkt nach. Der Pinselstrich wird rhythmischer. Die Fläche trägt mehr Gewicht. Die Farbe löst sich von der reinen Beschreibung. Bahnhof-Füssen im März steht genau an dieser Schwelle. Es gehört zu jenen Bildern, in denen sich das Alte noch zeigt, während das Neue bereits durchbricht. Ein Übergang, der die Kunstgeschichte prägt.

Ein gemeinsamer Kraftakt

Dass das Werk heute in Wiesbaden hängt, verdankt sich einem Netzwerk. Die Kulturstiftung der Länder und die Hessische Kulturstiftung tragen den Ankauf mit. Auch private Mittel fließen ein. Timon Gremmels betont, wie außergewöhnlich ein solcher Erwerb sei. Gerade in angespannten Haushaltslagen zeige sich, wie wichtig gemeinsames Engagement bleibe. Auch Museumsdirektor Andreas Henning spricht von einer konzentrierten Aktion. Nur im Zusammenspiel lasse sich ein Werk dieser Qualität sichern.

Forschung, Öffentlichkeit, Zukunft

Mit dem Ankauf stärkt das Museum seine Rolle als zentraler Ort der Jawlensky-Forschung. Das Bild eröffnet neue Perspektiven auf Werk und Entwicklung. Es lässt sich im Kontext der Sammlung lesen – und verändert diesen Kontext zugleich.

Schon jetzt blickt das Haus nach vorn. Für 2027 plant es eine große Neupräsentation unter dem Titel „Alexej von Jawlensky. Privat“. Dort soll das Gemälde eine zentrale Rolle spielen. Bis dahin wirkt es im Rundgang. Es lädt ein, genauer zu sehen. Und es erinnert daran, dass Kunst nicht stillsteht – sondern sich immer wieder neu erfindet.

V.l.n.r.: Dr. Roman Zieglgänsberger (Museum Wiesbaden), Dr. Josephine Karg (Kulturstiftung der Länder), Staatsminister Timon Gremmels (Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrats der Hessischen Kulturstiftung), Eva Claudia Scholtz (Hessische Kulturstiftung), Dr. Andreas Henning (Museum Wiesbaden) vor dem Gemälde „Bahnhof-F

Bild – Bahnhof Füssen im März. ©2026 Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

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Mehr vom Museum Wiesbaden finden Sie unter museum-wiesbaden.de.

Erstveröffentlichung: 15.04.2026
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