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Wiesbadener Weinköniginnen und weitere Beteiligte mit Blumensträußen und Weingläsern vor dem Hessischen Staatstheater beim Stadtfest.

Lena I. wird beim Erntedankfest zur Weinkönigin gekrönt

Krone auf, neues Amt: Beim 36. Erntedankfest am Warmen Damm ist Lena Gottron als Lena I. zur Wiesbadener Weinkönigin inthronisiert worden. Die 21-jährige Kostheimerin bringt bereits Erfahrung als Weinmajestät mit – und will nun Wiesbaden und seinen Wein über die Stadtgrenzen hinaus vertreten.

Volker Watschounek 2 Wochen vor 0

Krone, Erntekranz und ganz viel Landwirtschaft: Beim 36. Erntedankfest wird Lena Gottron als Lena I. zur Weinkönigin gekrönt.

So viele gekrönte Häupter sieht man in Wiesbaden selten auf einmal. Weinmajestäten aus der Region säumten am Samstag die Bühne am Warmen Damm, als Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr zur Krone griffen. Wenige Augenblicke später war es offiziell: Lena Gottron ist Lena I., die neue Wiesbadener Weinkönigin.

Erntedankfest auf dem Warmen Damm
Inthronisierung, Weinkönigin Len I.

Dass so viele „Queenies“ und Majestäten zum 36. Erntedankfest gekommen waren, hatte auch einen besonderen Grund. Viele von ihnen hatten am Vormittag bereits den Empfang des Hessischen Ministerpräsidenten im Schloss Biebrich besucht. Nun bildeten sie eine stattliche Kulisse für die Inthronisierung der neuen Wiesbadener Weinregentin.

Von Kostheim auf die Wiesbadener Bühne

Für die 21-jährige Lena Gottron beginnt damit ein neues Kapitel – allerdings kein völlig unbekanntes. Zuvor war sie bereits Weinprinzessin und anschließend Weinkönigin in Kostheim. Nach drei Jahren als Kostheimer Weinmajestät habe sie beim Abschied neben Freude auch „ein kleines Gefühl der Wehmut“ verspürt, erzählte sie. Daraus sei schnell Vorfreude auf „etwas Neues und Größeres“ geworden.

Gottron studiert an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Erziehungswissenschaft mit dem Beifach Soziologie. Zum Wein hat sie auch eine familiäre Verbindung: Ihr verstorbener Großvater führte einst eine Weinkellerei in Mainz. Der Gedanke, diese Verbindung nun weiterzutragen, berühre sie besonders.

Mende erinnerte daran, dass Weinmajestäten nicht nur Krone tragen, sondern ein Kulturgut repräsentieren. Unterstützt wird Lena I. dabei vom Kostheimer Weingut Frosch.

Erntekrone wechselt vom Warmen Damm ins Rathaus

Vor der Intronisierung gehörte die Bühne allerdings zunächst einer anderen Krone. Vertreter der Wiesbadener Landwirtschaft übergaben die traditionelle Erntekrone an Stadtverordnetenvorsteher Obermayr und Oberbürgermeister Mende. Aus verschiedenen Getreidesorten gebunden, steht sie für die Ernte des Jahres – und damit auch für die Arbeit, die auf Äckern und Feldern geleistet wurde.

In diesem Jahr erzählte die Krone noch eine zweite Geschichte. Ihre trockene, kräftige Färbung spiegelte den heißen und niederschlagsarmen Sommer wider. Schon bei der Übergabe rieselte das trockene Getreide. Die Trockenheit habe Vor- und Nachteile gehabt, hieß es auf der Bühne – der Farbe der Krone habe sie jedenfalls gutgetan.

Obermayr udn Mende nahmen die Erntekrone stellvertretend für die Stadt entgegen. Sie bekommt nun, wie in den vergangenen Jahren, einen Ehrenplatz im Foyer des Wiesbadener Rathauses. Dort soll sie über das Fest hinaus an die Arbeit der Landwirte und die Bedeutung der Landwirtschaft für die Stadt erinnern.

Eine große Erntekrone aus verschiedenen Getreideähren steht im Mittelpunkt der Bühnenpräsentation beim Wiesbadener Stadtfest. Kürbis und Kohl im Vordergrund unterstreichen das Thema Ernte und regionale Landwirtschaft. Mehrere Beteiligte präsentieren gemeinsam die traditionelle Erntekrone.
Bildbeschreibung: – Eine große Erntekrone aus verschiedenen Getreideähren steht im Mittelpunkt der Bühnenpräsentation beim Wiesbadener Erntedankfest. Kürbis und Kohl im Vordergrund unterstreichen das Thema Ernte und regionale Landwirtschaft.

Wenn die Landwirtschaft mitten in die Stadt zieht

Genau darum geht es seit 36 Jahren beim Erntedankfest: Die Landwirtschaft kommt für ein Wochenende mitten in die Stadt. Rund um den Warmen Damm zeigt sich dabei, wie vielfältig Wiesbadens landwirtschaftliche Seite noch immer ist. Rund 6.000 Hektar und damit etwa ein Viertel des Stadtgebiets werden landwirtschaftlich genutzt.

Wer über das Gelände schlendert, kann deshalb weit mehr entdecken als Gemüse-, Obst- und Honigstände. An einem Stand lässt sich anhand von Honigwaben nachvollziehen, wie Honig entsteht. Aus Medenbach kommen rund 100 verschiedene Apfelsorten in die Innenstadt – darunter seltene Exemplare, hinter denen manche außergewöhnliche Geschichte steckt.

Alpakas vom Kloster Eberbach, Ponyreiten und Kinderkarussells sorgen dafür, dass auch die jüngeren Besucher etwas zu entdecken haben. Stroh wurde nicht einfach zu Ballen gepresst, sondern verwandelt sich in Sofa, Burgen und riesige Würfel. Dazu kommen Korbflechterei und Schmiedewerkstatt, in der Besucher beobachten können, wie aus glühendem Metall Schmiedekunst entsteht.

Kuchen für 2,50 Euro und Bratwurst vom Hof

Und natürlich geht es ums Essen. Beim Erbenheimer Hof landet die Bratwurst auf dem Grill – im Bröttchen für 5,00 Euro. Bei den Landfrauen verwandelt sich die Kuchentheke fast selbst eine kleine Ausstellung: gedeckter Apfelkuchen, Käsekuchen, Apfelstreusel, Mandarinenkuchen, Kirschstreusel, Butter- und Zuckerkuchen und zahlreiche weitere Sorten stehen zur Auswahl.

Ein Stück kostete 2,50 Euro, der Kaffee 1,50 Euro – Preise, die auf einem Stadtfest inzwischen fast aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen.

Dazu kommen regionale Erzeugnisse direkt von denen, die sie anbauen, ernten oder herstellen. Genau darin liegt seit Jahrzehnten die Idee des Erntedankfests: Stadtbewohner und Produzenten miteinander ins Gespräch zu bringen und sichtbar zu machen, wie viel Arbeit hinter den Lebensmitteln steckt, die täglich auf dem Tisch stehen. Das Bühnenprogramm, Tiere, traditionelles Handwerk und zahlreiche Mitmachangebote machten daraus am Warmen Damm dieses Wochenende zum Fest für mehrere Generationen.

Vom Bowling Green an den Warmen Damm

Dabei hat das Erntedankfest selbst eine lange Wiesbadener Geschichte. Die frühere Landfrauenvorsitzende Christel Schaab erinnerte auf der Bühne an die Anfänge vor mehr als drei Jahrzehnten. Der damalige Oberbürgermeister Achim Exner habe ihr die Zusage für einen Erntedankmarkt auf dem Bowling Green gegeben.

Das war Anfang der 1990er-Jahre. Was vergleichsweise klein begann, wuchs über die Jahre und wechselte schließlich vom Bowling Green an den Warmen Damm. Schaab verband ihre Erinnerung mit einem Blick nach vorn. Sie äußerte die Hoffnung, dass die städtische Unterstützung für das Fest trotz der geplanten Umstrukturierung des Grünflächenamtes erhalten bleibt. Bürgermeisterin Christiane Hinninger nahm ihr diese Sorge noch auf der Bühne: Die Stadt werde das Erntedankfest auch künftig unterstützen, sagte sie sinngemäß und gab dafür ausdrücklich die Zusage.

>> Bildergalerie vom Erntedankfest und der Krönung <<

Foto – Erntedankfest ©2026 Volker Watschounek

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Die Internetseite zum Erntedankfest finden Sie unter www.wiesbaden.de.

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