Im Frühjahr haben Wiesbadener Bürger viele Vorschläge für den Kulturpreises 2026 eingereicht. Eine Jury hat jezt die Kreativfabrik Wiesbaden e.V. als Preisträger ausgewählt.
Wer Kultur in einer Stadt wie Wiesbaden sucht, landet früher oder später unweigerlich auf dem alten Schlachthofareal. Zwischen Backstein, Beton und Skateboard-Rollen pulsiert ein Ort, der sich konsequent verwehrt: gegen den Mainstream, gegen schmerzhafte Kommerzialisierung und gegen die feinen Nuancen bürgerlicher Beschaulichkeit. Dass genau diese Bastion des Eigensinns nun offiziell gewürdigt wird, ist eine sympathische Volte der Kommunalpolitik. Der diesjährige Kulturpreis der hessischen Landeshauptstadt geht an die Kreativfabrik Wiesbaden e.V., kurz KREA.
Breiter Konsens im Rathaus
Die Entscheidung ruht auf einem soliden Fundament. Im Frühjahr hatten die Wiesbadener Bürger zahlreiche Vorschläge eingereicht. Aus dieser Vielfalt wählte eine breit besetzte Jury unter dem Vorsitz von Kulturdezernent a.D. Dr. Hendrik Schmehl – besetzt mit Vertretern sämtlicher Rathausfraktionen von der CDU über die Grünen bis hin zur Linken sowie Kulturamtsleiterin Claudia Hölbling – das soziokulturelle Zentrum als Preisträgerin aus. Es ist eine spürbare Einmütigkeit für einen Verein, der seit mehr als zwei Jahrzehnten das kulturelle Fundament der Stadt abseits der etablierten Pfade sichert.
Ein Mikrokosmos für Jugend- und Subkultur
Was die KREA leistet, lässt sich schwer auf ein einziges Genre reduzieren. Seit der Übernahme des eigenständigen Veranstaltungsbetriebs auf dem Schlachthofgelände im Jahr 2014 ist ein vielschichtiger Mikrokosmos entstanden: Konzerte, spartenfreie Partys, Theateraufführungen, Vorträge und Lesungen gehören ebenso dazu wie heiß begehrte Proberäume für den lokalen Musiknachwuchs. Selbst die angrenzende Skatehalle und der 2019 eröffnete Kiosk „Vogeltränke“ fungieren als soziale Katalysatoren. Mit einem solidarischen Preissystem und barrierearmen Angeboten beweist der Verein tagtäglich, dass lebendige Subkultur kein Luxusgut sein muss, sondern vor allem auf ehrenamtlichem Engagement und echter gesellschaftlicher Teilhabe fußt.
Freiraum mit Vorbildcharakter
Die Jury würdigte insbesondere den innovativen und experimentellen Ansatz sowie die nachhaltige Strahlkraft für die gesamte Kreativszene der Region. Die neue Kulturdezernentin Dr. Patricia Becher bringt den gesellschaftlichen Wert der Auszeichnung auf den Punkt: Die KREA schaffe einen unverzichtbaren, geschützten Raum für kulturelle Experimente und Austausch – mit Vorbildcharakter weit über Wiesbaden hinaus. Zusammen mit Initiativen wie „Kultur im Park“ zeigt der Verein eindrucksvoll, wie aus Eigensinn echtes soziales Miteinander entsteht.
Foto – Kreativfabrik ©2026 LH Wiesbaden
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