60 Minuten Schlange stehen für eins von 3500 Teile, die angeboten wurden. zu hunderten zog es die Menschen zum Kostümverkauf ins Staatstheater.

Leere Rollständer wurden durchs Foyer geschoben, volle ins Foyer rein. Wer es bis hierher geschafft hatte, brauchte Zeit um sich beim Kostümverkauf einen Überblick zu verschaffen. Musste schnell sein, um sich besondere Stücke zu sichern. Anders als etwa in Frankfurt, misstet das Staatstheater Wiesbaden alle zwei Jahren kurz vor Karneval seinen Fundus aus. Am Samstagvormittag war es wieder soweit. Bereits eine Stunde bevor der Türen geöffnet wurden, standen die ersten Wiesbadener an.

Aschenputtel, 42nd Street

Gut ein Prozent der 350000 Einzelteile – Kostüme und Requisiten – aus Produktionen wie der Babier von Sevilla , Anna Nicole, Aschenputtel oder 42nd Street wurden für 2 Euro bis 150 Euro angeboten und fanden reißenden Absatz. Ausnahmsweise nicht in der Malerwerkstatt, sondern im prunkvollem Foyer des Staatstheaters. Wir erinnern: Schon einmal wurde das Foyer zu einer Verkaufsfläche umgebaut. REWE hatte dort im Rahmen der Biennale 2018 eine vollwertigen Supermarkt mit Regalen und Kühltheken eingerichtet. Auf Regale verzichtete die Kostümabteilung beim Abverkauf aus dem Fundus aber. Ebenso wie auf Umkleidekabinen. Kostüme wurden angehalten und einfach so zwischen den Rollständern anprobiert.

Liebe zum Theater

Die Besucher kommen aus der ganzen Region, erzählte Claudia Christophel, Leiterin der Kostümabteilung. Da kommen Einzelpersonen, die aus Liebe zum Theater ein Stück für zu Hause suchen. Da kommen Ausstatter, die für Theatergruppen im großen Stil einkaufen. Da kommen Fastnachter, die für Karneval ein ausgefallenes Kostüm suchen. Die Wiesbadener Laura und Lucas Hafner waren aus Liebe zum Theater mit dabei. Theater spielen ist ihre Leidenschaft. Und 9:09 Uhr hatten sie sich angestellt. Um 10:00 Uhr standen Sie im Foyer, umringt von ganz viel Theater, von vollen Rollständern. Man nimmt sich dann drei Teile und bleibt stecken, erzählt Laura, die sich drei Barockröcke sichern konnte. Davon werde ich einen sicher zur nächsten Mottoparty anziehen, erzählt Sie. Lucas ist dagegen leer ausgegangen. Er hatte eine schöne Barockjacke gesucht. Die war nicht dabei – oder andere waren einfach schneller.

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Theater ist auch das Hobby von Karla. Sie ist Wiederholungstäterin und war kurz nach 10:00 Uhr am Staatstheater und reihte sich in der Menschenschlange hinten ein. Die schlängelte sich inzwischen entlang den Kolonnaden bis zur Paulinenstraße, ums Eck und weiter bis zur Rampe für Lieferverkehr – auf Höhe der Parkstraße. Der Weg nach vorne war mühselig. Verließen die erste das Haus, durften aus der Schlange welche in Foyer. Gegen 10:45 Uhr stand Karla kurz vor dem Ziel, fünf Minuten später im Foyer. Aus Liebe zum Theater ist die Warterei allenfalls aber nur ein Moment. Auf die Frage, wie häufig sie normalerweise ins Theater gehen, antwortete sie: Zu selten. Lieber mache ich selbst mit. Als Statist. Am Samstag suchte sie ein Löwenkostüm für Fastnacht. Auch Stoffe hätte sie gerne mitgenommen.

Ein Vormittag voller Erlebnisse

Familie Göbel war in diesem Jahr zum ersten Mal beim Kostümverkauf. Auch wenn die Türen wohlwissentlich erst um 10:00 Uhr geöffnet hatten, machten sie sich von zu Hause um 9:15 Uhr auf den Weg in die Innenstadt. Um 9:30 Uhr reihten sie in die Menschenschlange unter den Kolonnaden ein. Um 10:30 waren sie im Foyer. Da wurden bereits die ersten Rollständer hin und hergeschoben, der gegen volle ausgetauscht. Gut 90 Minuten hatten sie reihenweise Kartons und Rollständer durchstöbert: der Vater eine Kopfbedeckung gefunden. Sie erinnert an Asterix. Das passende Gewand dazu hatten sie leider nicht gefunden. Das gibt es sicher noch anderswo und bis Fastnacht ist auch noch genug Zeit. Für den Sohn, der in Mainz Filmwissenschaften studiert, hatten sie ein paar Requisiten entdeckt. Die lassen sich gut in Kurzfilme einbauen. Die Mutter hatte für sich ein Kleid aus den 20ern entdeckt. Mit pinken Pailletten besetzt erinnert es an die Zeit von Gatsby und Charleston. Zufrieden haben sie gegen 12 Uhr an der Kasse angestanden. Zögerlich ging es auch dort vorwärts, doch was ist Zeit, wenn man Spaß und Freude beim Kostümverkauf gegenrechnet.

Ausblick

Der Kostümverkauf im Staatstheater Wiesbaden​ ist für dieses Jahr Geschichte. Wie gut das Mainz so nahe ist. Dort findet am 4. Februar der nächste Kostümverkauf in der Region statt: am 4. Februar von 11:11 Uhr bis 16:00 Uhr in der 2. Etage des ehemaligen Karstadt-Gebäude (Eingang LuLu). Verkäufer ist dann das Staatstheater Mainz​ seinen Fundis aus.

Fotos ©2023 Volker Watschounek

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Die Internetseite des Hessischen Staatstheaters finden Sie unter www.staatstheater-wiesbaden.de.

 

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