Fünf Punkte aus sieben Spielen, aber weiterhin große Ambitionen: Der SVWW setzt auf einen Trainer, der Struktur und Sicherheit schaffen soll.
Der SV Wehen Wiesbaden reagiert auf seinen Fehlstart und verpflichtet Jochen Seitz als neuen Cheftrainer. Der 49-Jährige erhält einen Vertrag bis zum 30. Juni 2027 mit Verlängerungsoption. Beim Testspiel gegen den Karlsruher SC steht er erstmals an der Seitenlinie. Bei seiner Vorstellung ging es jedoch um mehr als den nächsten Trainer. Es ging um eine Mannschaft, die mit fünf Punkten aus sieben Spielen am Tabellenende steht – und um einen Verein, der ihr dennoch weit mehr zutraut, als die Tabelle derzeit erkennen lässt.
Die Tabelle und der Glaube an den Kader
Der Saisonstart fällt ernüchternd aus. Der SVWW blieb weit hinter den eigenen Erwartungen zurück. Trotzdem wollen die Verantwortlichen ihre grundsätzlichen Ambitionen nicht vorschnell begraben. Geschäftsführer Sport Uwe Stöver redete die Lage nicht schön. Zugleich widersprach er der Annahme, der Verein müsse seine Ziele nach wenigen Spieltagen vollständig aufgeben.
„Wir bleiben ambitioniert.“
Das klingt angesichts des Tabellenstands selbstbewusst. Stöver begründet diese Haltung mit seiner Einschätzung des Kaders. Nach Datenanalysen, die der Verein zur Bewertung der Mannschaft heranzieht, verfüge der SVWW über einen der stärksten Kader in der Liga. Das Problem liegt aus seiner Sicht weniger bei der individuellen Qualität als bei dem, was die Mannschaft bislang daraus macht. „Wir spielen nicht am Limit.“
Gute Einzelspieler ergeben noch keine Mannschaft
Der Befund von Stöver und Seitz im Rahmen der Pressekonferenz fällt deutlich aus: Der Kader besitzt Erfahrung, Tempo und spielerische Qualität. Was bislang fehlt, sind klare Abläufe, verlässliche Automatismen und Stabilität. Besonders unter Druck wirkte das Team häufig verunsichert.
Damit steht nicht die Einsatzbereitschaft im Zentrum der Kritik, sondern die fehlende Ordnung. Aus guten Einzelspielern ist bislang keine funktionierende Einheit entstanden. Und genau dort will Seitz ansetzen. Der neue Trainer sprach bei seiner Vorstellung wiederholt von einer klaren Struktur. Jeder Spieler müsse wissen, was mit und gegen den Ball von ihm erwartet werde.

Seitz verzichtete auf große Ankündigungen. Zunächst will er eine verständliche Spielidee entwickeln, der Mannschaft Sicherheit geben und die vorhandene Qualität wieder sichtbar machen. Das Selbstvertrauen soll über Erfolgserlebnisse zurückkehren. „Jetzt geht es darum, Punkte zu holen und erst einmal unten herauszukommen,“ so Seitz
Damit setzt Seitz bewusst beim nächsten Schritt an und nicht bei möglichen Tabellenzielen im Frühjahr.
Zweimal Meister, zweimal gescheitert
Seitz übernimmt erstmals eine Mannschaft in der 3. Liga, kommt aber nicht als unerfahrener Trainer nach Wiesbaden. Mit dem 1. FC Lokomotive Leipzig gewann er zweimal nacheinander die Meisterschaft der Regionalliga Nordost. Beide Male scheiterte sein Team anschließend in den Aufstiegsspielen – zunächst am TSV Havelse, danach an den Würzburger Kickers.
Bei seiner Vorstellung sprach Seitz offen über diese Rückschläge. Besonders der zweite verpasste Aufstieg habe Kraft gekostet. Nach zwei intensiven Jahren fehlte ihm die Energie für einen dritten Anlauf mit Leipzig. Nun soll ihm gerade diese Erfahrung in Wiesbaden helfen. Er kennt Mannschaften, die unter hohem Erwartungsdruck stehen. Und er weiß, wie schmal die Grenze zwischen einer erfolgreichen Saison und großer Enttäuschung verlaufen kann.
Test gegen Karlsruhe als erster Fingerzeig
Beim Testspiel gegen den Karlsruher SC kann Seitz erstmals unter Wettkampfbedingungen prüfen, wie seine Mannschaft auf neue Vorgaben reagiert. Um Punkte geht es dabei nicht. Dennoch dürfte genau beobachtet werden, ob sich bereits erste Veränderungen bei Ordnung, Intensität und Abstimmung zeigen.
Nach der Länderspielpause wartet am 11. Oktober beim FC Ingolstadt die erste Bewährungsprobe in der Liga – und vorher im Hessenpokal die SG Bornheim Grün-Weiß. Bis dahin bleibt Seitz nur wenig Zeit.
Foto – Jochen Seitz ©2026 Volker Watschounek
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Weitere Informationen vom Drittligisten SV Wehen Wiesbaden.



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