Das Jagdschloss Platte wird 200 Jahre alt. Zum Tag des offenen Denkmals öffnet Wiesbadens geschichtsträchtiger Jagdsitz seine Türen.
Es gibt Gebäude, denen man ihre Geschichte ansieht. Beim Jagdschloss Platte genügt dafür ein Blick nach oben. Über den historischen Sandsteinmauern spannt sich ein gläsernes Dach – leicht, transparent und modern. Es wirkt wie ein bewusster Kontrast zum massiven Mauerwerk. Gerade dieses Spannungsfeld macht den besonderen Reiz des Bauwerks aus: Vergangenheit und Gegenwart stehen sich hier nicht gegenüber, sie bilden eine Einheit.
Jagdschloss Platte, kurz gefasst
Führung & Kennenlernen – Eintauchen in die Geschichte des Jagdschlossen
Eintritt: frei
Wann: Sonntag, 13. September 2026, ab 11:30 Uhr
Wo: Jagdschloss Platte, An der B417, 65195 Wiesbaden
2026 feiert das Jagdschloss Platte seinen 200. Geburtstag. Aus diesem Anlass öffnet das denkmalgeschützte Gebäude zum bundesweiten Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September, seine Türen. Zwischen 11.30 und 15.30 Uhr können Besucher das Schloss kostenlos besichtigen. Führungen starten um 12 und 13 Uhr, ab 14 Uhr erinnert ein Konzert des Parforcehorncorps Jagdschloss Platte an die jagdliche Vergangenheit des Hauses.
Doch das Jubiläum steht für weit mehr als einen runden Geburtstag. Es erzählt von höfischer Pracht, Krieg und Zerstörung, jahrzehntelangem Verfall und schließlich von der Frage, wie sich historische Architektur bewahren lässt, ohne ihre Geschichte zu überdecken.
Ein Schloss für Jagd und Gesellschaft
Zwischen 1822 und 1826 entstand das Jagdschloss auf der Platte oberhalb Wiesbadens. Während der Jagdsaison diente es der herzoglichen Familie von Nassau als Residenz. Gleichzeitig war es ein repräsentativer Treffpunkt für Gäste aus Politik, Adel und Gesellschaft.
Jagd war damals weit mehr als Freizeitbeschäftigung. Sie galt als gesellschaftliches Ereignis, bei dem Repräsentation, Begegnung und höfisches Leben eng miteinander verbunden waren. Wer das Schloss besuchte, kam nicht nur wegen der Wälder und des Wildes, sondern auch wegen des gesellschaftlichen Austauschs.
Von dieser ursprünglichen Funktion ist heute nur noch wenig geblieben. Dennoch prägt sie den Charakter des Hauses bis heute. Dass zum Jubiläum die Parforcehörner erklingen, knüpft bewusst an diese Tradition an.
Nach dem Krieg blieb nur eine Ruine
Die tiefste Zäsur erlebte das Jagdschloss in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. 1945 zerstörten Bombentreffer das Gebäude nahezu vollständig. Was über ein Jahrhundert lang Jagdsitz und gesellschaftlicher Treffpunkt gewesen war, stand anschließend Jahrzehnte als Ruine auf der Platte. Die Außenmauern blieben erhalten, doch das Gebäude verlor seine ursprüngliche Funktion.
Gerade diese Zeit gehört heute untrennbar zu seiner Geschichte. Denn beim Wiederaufbau entschieden sich die Verantwortlichen bewusst gegen eine vollständige Rekonstruktion des ursprünglichen Zustands. Stattdessen entstand ein Gebäude, das historische Substanz und zeitgenössische Architektur miteinander verbindet.
Das gläserne Dach wurde zum Markenzeichen
Zwischen 2003 und 2007 erhielt das Jagdschloss Platte seine heutige Gestalt. Die historischen Mauern blieben erhalten, darüber entstand die markante gläserne Dachkonstruktion, die heute das unverwechselbare Wahrzeichen des Gebäudes ist.
Der Kontrast ist bewusst gewählt. Das Schloss verschweigt seine Brüche nicht. Wer heute durch die Räume geht, erkennt auf den ersten Blick, dass zwischen dem herzoglichen Jagdsitz von 1826 und dem heutigen Veranstaltungsort Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau liegen. So erzählt die Architektur selbst die Geschichte des Hauses.
Heute nutzt die Wiesbaden Congress & Marketing GmbH (WICM) das denkmalgeschützte Gebäude als exklusive Veranstaltungsstätte. Hochzeiten finden dort ebenso statt wie Tagungen, Firmenveranstaltungen oder private Feiern. „Das Jagdschloss Platte hat sich zu einem ganz besonderen Veranstaltungsort entwickelt, der durch seine Geschichte, seine Architektur und seine Lage eine unverwechselbare Atmosphäre bietet“, sagt WICM-Geschäftsführer Matthias Fromm.
Zugleich gehe es darum, „verantwortungsvoll mit seinem historischen Erbe“ umzugehen. Das Jubiläum zeige, so Fromm, „wie lebendig ein 200 Jahre altes Gebäude auch heute sein kann“.
Ein Denkmal, das lebt
Gerade darin liegt die Besonderheit des Jagdschlosses Platte. Es ist kein Museum, das ausschließlich betrachtet wird. Es wird genutzt.,Menschen feiern hier Hochzeiten, Unternehmen veranstalten Tagungen, Familien Feste. Aus dem einstigen Jagdschloss und der späteren Kriegsruine ist wieder ein Ort geworden, der fest zum gesellschaftlichen Leben Wiesbadens gehört.
Der Tag des offenen Denkmals macht diesen sonst häufig für Veranstaltungen reservierten Ort nun für alle zugänglich. Wer das Jagdschloss bislang nur von außen kennt, kann am 13. September erleben, wie harmonisch historische Mauern und moderne Architektur zusammenspielen.
Zwischen 11:30 und 15:30 Uhr ist die Besichtigung ohne Führung möglich. Wer mehr über die Geschichte des Hauses erfahren möchte, kann sich den kostenlosen Rundgängen um 12 oder 13 Uhr anschließen. Treffpunkt ist jeweils die Schlossrotunde im Erdgeschoss, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Parforcehörner schlagen die Brücke zur Vergangenheit
Ab 14 Uhr erhält die Geschichte schließlich ihren Klang. Rund eine Stunde lang spielt das Parforcehorncorps Jagdschloss Platte im Schloss. Die traditionellen Jagdhörner dienten einst der Verständigung bei Gesellschaftsjagden und gehören bis heute zum kulturellen Erbe der europäischen Jagdtradition. Das Konzert findet ohne Bestuhlung statt, der Eintritt ist frei.
So wird der 200. Geburtstag des Jagdschlosses nicht zu einem Festakt hinter verschlossenen Türen. Im Mittelpunkt steht das Bauwerk selbst – seine Mauern, seine Brüche und seine außergewöhnliche Architektur. Kaum ein anderer Ort in Wiesbaden zeigt so eindrucksvoll, dass Denkmalschutz nicht bedeutet, Geschichte einzufrieren. Das Jagdschloss Platte hat höfische Zeiten erlebt, den Krieg nicht unbeschadet überstanden und Jahrzehnte als Ruine verbracht. Heute wird unter seinem gläsernen Dach wieder gefeiert, gearbeitet und geheiratet.
200 Jahre nach seiner Fertigstellung ist das Jagdschloss Platte damit etwas, das nur wenigen Denkmälern gelingt: Es ist historisch geblieben – und zugleich ein lebendiger Teil der Gegenwart.
Bild – Jagdschloss Platte ©2020 Wo st 01 / Wikimedia Commons /
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Mehr Details zum Tag des offenen Denkmals in Wiesbaden.
Weitere Informationen zum Jagdschloss Platte finden Sie auf Wikipedia unter de.wikipedia.org.




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