Im Kunsthaus verwandelt Grace Schwindt Erinnerungen an Gewalt und Verfolgung in fragile Bilder von Hoffnung und Widerstand.
Blätter können fallen, zerbrechen, vergehen. Bei Grace Schwindt bewahren sie zugleich Erinnerung. Das Kunsthaus Wiesbaden zeigt mit „Autumn Leaves (Witnesses)“ eine Ausstellung, die von Gewalt und Verletzlichkeit erzählt – aber auch davon, wie Menschen Hoffnung bewahren.
Vom 27. August bis 8. November präsentiert das Kunsthaus Wiesbaden eine für Wiesbaden entwickelte Fassung von „Witnesses (Bones, Leaves and other creatures)“. Schwindt schuf die mehrteilige Arbeit 2022 für die Biennale im südkoreanischen Busan. Nun ist sie erstmals in Deutschland zu sehen.
Ausgangspunkt bildet die Geschichte eines Arbeitslagers in Busan, in dem Menschen schwere Menschenrechtsverletzungen erlitten. Schwindt greift Erzählungen von Überlebenden auf und übersetzt sie in Skulpturen und eine Wandstickerei. Eine besondere Rolle spielen dabei Bäume auf dem ehemaligen Lagergelände. Ihre Blätter standen für einen Überlebenden für Freiheit und Hoffnung.
Schwindt holt diese Erinnerung unmittelbar in ihre Kunst: Für die Glasuren ihrer Keramikskulpturen verwendete sie Erde und Blätter der Bäume. So verbindet sie Körper, Landschaft und Geschichte miteinander. Die Arbeiten erzählen von Verletzlichkeit, ohne Menschen allein als Opfer zu zeigen. Widerstandskraft bleibt ebenso sichtbar.
Pflege wird zur Geste der Empathie
Mit „A Vocabulary of Care“ von 2025 erweitert Schwindt diese Gedanken. Der Film verfolgt ihren künstlerischen Umgang mit der Pflege und Restaurierung von Sammlungsobjekten im M Museum Leuven. Aus konservatorischen Handgriffen werden Gesten der Fürsorge. Mensch und Objekt treten miteinander in Beziehung.
Während des Tanzfestivals Rhein-Main kommt Bewegung hinzu. Zusammen mit dem Hessischen Staatsballett führt Schwindt ihr „Bewegungsarchiv“ auf. Grundlage bildet unter anderem das Tagebuch der jüdischen Pianistin Caecilie Lewissohn, die während der NS-Zeit fünf Monate im Berliner Untergrund lebte.
Kuratorin Jana Dennhard verbindet damit im Kunsthaus Wiesbaden unterschiedliche Formen des Erinnerns. Performances und Führungen begleiten die Ausstellung. Der Eintritt zu den Veranstaltungen und Führungen ist frei.
Foto – Blick in die Ausstellung ©2026 Patrick Baeuml
Weitere Nachrichten aus dem Stadtteil Mitte lesen Sie hier



Werde jetzt Leserreporter bei Wiesbaden lebt!
Was ist los in Wiesbaden? Das Wochenende kann kommen
Nächste Leseparty in der Villa Clementine: Lesen statt Tanzen
Schwalbacher Straße: Verkehr wechselt zurück auf die Westseite
Caligari zeigt „Das Flüstern der Wälder“
Kunsthaus Wiesbaden: Kuratorinnenführung zu Grace Schwindt 