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Kochbrunnen

Gestaltungsbeirat: „Neustart“ für den Kochbrunnenplatz

Der Kranzplatz in Wiesbaden soll neu gestaltet werden – mit mehr Grün, weniger Verkehr und höherer Aufenthaltsqualität. Im Mittelpunkt stehen Verkehrsberuhigung, Klimaanpassung und Denkmalschutz. Ziel ist ein lebendiger Stadtraum rund um Kochbrunnen und Innenstadt.

Volker Watschounek 2 Monaten vor 0

Der Kranzplatz wird neu gedacht – ruhiger, grüner und näher an den Menschen. Und als grüne Oase!

Zwischen Kochbrunnen, Außengastronomie und parkenden Autos zeigt sich Wiesbadens Mitte widersprüchlich. Touristen bleiben stehen, Anwohner gehen hindurch, Lieferverkehr schiebt sich durch die engen Straßen. Der Kranzplatz wirkt wie ein Ort mit Geschichte – aber ohne klare Richtung. Genau das will die Stadt ändern.

Kochbrunnen, kurz gefasst

Der Kochbrunnen ist die bekannteste und mit etwa 66 °C bis 68 °C heißeste Thermalquelle der Stadt. Sie sprudelt als artesischer Brunnen ohne Pumpen aus rund zwei Kilometern Tiefe empor

Bereits 2024 hat die Landeshauptstadt den Beschluss gefasst, zentrale Plätze aufzuwerten. Im Mittelpunkt stehen der öffentliche Raum, mehr Aufenthaltsqualität und eine Verkehrsberuhigung rund um den historischen Stadtkern. Den Kranzplatz und den Kochbrunnenbereich beterffen, soll vor allem soll ein Platz entstehen, der wieder als gesellschaftlicher Treffpunkt funktioniert – und nicht nur als Verkehrsfläche.

Historische Herzkammer der Innenstadt

Zum Sachstand gaben Mitarbeiter des Stadtplanungamts und des Grünflächenamts am Mittwoch im Gestaltungs- und Denkmalbeirat einen Überblick. Dabei wurde lobend bedacht, dass die letzten Bedenken in die weiteren Planungen eingeflossen seien: das Gebiet als Schlüsselraum der Innenstadtentwicklung betrachtet wird. Architektin und Beiratsmitglied Christa Reicher sprach von der „historischen Herzkammer“ Wiesbadens. Eine Rolle, die der Platz über Jahrzehnte jedoch verloren habe. Historische Spuren seien kaum noch lesbar, Aufenthaltsqualität sei Stück für Stück verschwunden.

„Die Selbstverständlichkeit eines Quartiersplatzes ist verloren gegangen“, konstatierte Reicher. Einzelne Elemente wie Kübel, verstreute Möblierung oder kleinere Eingriffe hätten den Raum eher überlagert als gestärkt. Ihre erste Empfehlung an die Projektverantwortlichen, die von den übrigen Beiratsmitgliedern getragen wird, lautet deshalb: aufräumen, entkleiden, den Platz wieder lesbar machen.

Weniger Tempo, mehr Aufenthalt

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Verkehrsfrage. Diskutiert wird eine deutliche Verkehrsberuhigung mit Tempo 15. Autos sollen weiterhin fahren können, allerdings gleichberechtigt mit Fußgängern und Radfahrern. Die klassische Trennung zwischen Fahrbahn und Aufenthaltsraum könnte so dabei teilweise aufgelöst werden.

Vor allem die Verlängerung der Saalgasse beschäftigt die Planer. Sie trennt den Platz bislang sichtbar vom umliegenden Quartier. Künftig könnte die Fläche stärker Teil eines zusammenhängenden Stadtraums werden. Die Idee dahinter: weniger parkende Fahrzeuge, mehr freie Flächen und eine ruhigere Atmosphäre.

Dabei denkt die Stadt auch an die Klimakrise. Der Platz gilt als stark aufgeheizt. Schatten, Kühlung und bessere Aufenthaltsbedingungen gehören deshalb zu den wichtigsten Planungszielen. Gleichzeitig muss das Gebiet mit den Folgen von Starkregen umgehen. Schon heute fließt bei starken Niederschlägen Wasser aus Richtung Taunusstraße und Saalgasse unkontrolliert auf den tieferliegenden Bereich.

Hinzu kommen enge Grenzen durch den Denkmalschutz. Das gesamte Areal gehört zur denkmalgeschützten Gesamtanlage der Wiesbadener Innenstadt. Tiefere Eingriffe in den Boden oder größere bauliche Veränderungen müssen deshalb genau abgestimmt werden.

Beteiligung soll Konflikte vermeiden

Die Stadt weiß zugleich, wie emotional über öffentliche Plätze diskutiert wird. Deshalb soll die Beteiligung ungewöhnlich früh beginnen. Noch bevor konkrete Entwürfe entstehen, sollen Bürger, Anwohner und Nachbarquartiere eingebunden werden.

„Partizipation spielt eine bedeutende Rolle für die Zukunft der Platzgestaltung“, sagte der Vorsitzende Lucda Kist. Gerade beim Kranzplatz gehe es nicht um einfache Lösungen, sondern um das Zusammenspiel verschiedener Interessen: Klima, Verkehr, Gastronomie, Denkmalschutz, Aufenthalt und Sicherheit.

Planung startet im Sommer

Derzeit läuft die Suche nach geeigneten Planungsbüros. Die ersten Leistungsphasen sollen noch in diesem Sommer beginnen. Ein erster Entwurf könnte im kommenden Jahr vorliegen. Ob und wie schnell anschließend gebaut wird, hängt dann auch von der Finanzierung ab.

Das Gremium macht keinen Hehl daraus, dass der Weg kompliziert wird. Gleichzeitig wächst die Bedeutung öffentlicher Räume in der Stadtentwicklung spürbar. Gerade Plätze wie der Kochbrunnenplatz stehen inzwischen für weit mehr als Gestaltung. Sie entscheiden mit darüber, wie Innenstadt künftig funktioniert – und ob Menschen dort wieder gerne bleiben.

Foto – Kochbrunnen mit Palast Hotel im Hintergrund

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Mehr vom Gestaltungs- und Denkmalbeirat.

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