70 Flächen, 591 Hektar, viele Interessen: Flächennutzungsplan 2040 geht nach dem Magistratsbeschluss in die Politik.
Wiesbaden zeichnet seine Zukunft neu. Wo in den kommenden 15 bis 20 Jahren Wohnungen entstehen können, welche Flächen der Wirtschaft offenstehen und wo Klima und Freiräume Vorrang haben sollen, bündelt der Flächennutzungsplan 2040. Der Magistrat hat am Dienstag den Vorentwurf beschlossen. Nun ist die Stadtpolitik am Zug.
70 Flächen auf rund 591 Hektar
Der Plan ist weit mehr als eine Karte mit farbigen Flächen. Anders als ein Bebauungsplan regelt er nicht unmittelbar, was auf einem einzelnen Grundstück gebaut werden darf. Er beschreibt vielmehr, welche Nutzungen die Stadt langfristig für größere Bereiche vorsieht. Er setzt den Rahmen für die räumliche Entwicklung der gesamten Stadt und schafft die Grundlage für spätere, konkrete Planungen. Im Vorentwurf sind 70 Planungsflächen mit zusammen rund 591 Hektar verzeichnet. Dazu zählen Flächen für Wohnen und Gewerbe ebenso wie gemischte Gebiete, Sonderbauflächen und Flächen für öffentliche Einrichtungen.
Damit beginnt zugleich die politische Abwägung, die an vielen Stellen widerstreitende Interessen berührt. Wiesbaden braucht Wohnraum und Entwicklungsmöglichkeiten für Unternehmen. Gleichzeitig geraten unbebaute Flächen angesichts von Hitze, Starkregen und Klimawandel stärker in den Fokus. Der integrierte Landschaftsplan soll deshalb Klima- und Freiraumfunktionen absichern.
Camillo Huber-Braun, Leiter des Stadtplanungsamtes, beschreibt den Anspruch als Balance zwischen „Sicherung des lokalen Klimas“, einem starken Wirtschaftsstandort und der Deckung des „dringenden Wohnraumbedarfs“. Der Flächennutzungsplan 2040 solle dafür wichtige Optionen offenhalten.
Stadtverordnete entscheiden Ende September
Mit dem Votum des Magistrats ist allerdings nichts endgültig festgelegt. Der Vorentwurf geht jetzt in die politischen Gremien. Die Stadtverordnetenversammlung soll voraussichtlich am 30. September entscheiden. Erst danach beginnt die öffentliche Phase des Verfahrens.
Planungsdezernentin Christiane Hinninger setzt dabei ausdrücklich auf Rückmeldungen aus der Stadt. Die Beteiligung sei „unerlässlich“, weil Hinweise aus der Bürgerschaft die Entscheidungsgrundlagen ergänzten. Stellungnahmen würden geprüft und bei der weiteren Ausarbeitung berücksichtigt.
Bürger können ab Dezember genauer hinsehen
Für Dezember 2026 kündigt die Stadt Informationsveranstaltungen und eine begleitende Ausstellung an. Im Januar 2027 folgt die gesetzlich vorgesehene frühzeitige Beteiligung. Dann können Bürger, Behörden und weitere Träger öffentlicher Belange ihre Anregungen offiziell einreichen.
Damit wird dann aus dem zunächst abstrakten Flächenplan eine konkrete Debatte über Wiesbadens Zukunft: Wo darf die Stadt wachsen, wo soll sie sich zurückhalten – und wie viel Raum brauchen Wohnen, Wirtschaft, Natur und Klima? Der Magistrat hat dafür nun den ersten politischen Pflock eingeschlagen. Die eigentliche Auseinandersetzung beginnt erst.
Foto – Wo wird gewohnt, gebaut und gearbeitet – und wo bleibt Raum für Natur? Der Flächennutzungsplan 2040 stellt die Weichen für Wiesbadens räumliche Entwicklung. ©2026 Wiesbaden lebt! / AI-generiert
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