Menü

kalender

Mai 2026
M D M D F S S
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Partner

Partner

/* */
Helga und Dieter Miersch feiern ihre Eiserne Hochzeit.

Eiserne Hochzeit: Ein Leben, das im Takt bleibt

65 Jahre Ehe, unzählige Geschichten und ein Leben zwischen Berlin, London und Wiesbaden: Helga und Dieter Miersch feiern ihre Eiserne Hochzeit – nachträglich, aber mit umso mehr Wärme, Erinnerungen und prominenten Glückwünschen aus Politik und Stadtgesellschaft.

Volker Watschounek 1 Monat vor 0

Eiserne Hochzeit in Wiesbaden: Helga und Dieter Miersch blicken auf 65 gemeinsame Jahre voller Reisen, Arbeit und Familie zurück.

Manchmal beginnt alles mit einem Blick. Bei Helga und Dieter Miersch ist es mehr als das – es ist ein Rhythmus, ein Takt, ein gemeinsamer Schritt. Sie waren beide 18 Jahre jung. In einer Berliner Tanzschule stehen sie sich gegenüber, noch vorsichtig, noch suchend. Nach der Stunde steigen sie in die Straßenbahn. „Da hat es gefunkt“, sagt Helga Miersch und lächelt. Helga machte damasl eine Ausbidlung zur Einzelhandelskauffrau bei einem Juwelier, Dieter als Koch. Ein kurzer Moment, ein längerer Blick – und plötzlich ist da etwas, das bleibt. Kein großes Drama, kein lautes Versprechen, sondern ein stilles Einverständnis: Wir gehen ein Stück zusammen.

Heute, mehr als 65 Jahre später, feiern die beiden Wahl-Wiesbadener ihre Eiserne Hochzeit. Nachträglich, doch das stört hier niemanden. „User Hochzeitstag ist der 29. März“, sagt Dieter Miersch und richtet seine Krawatte. Der Satz passt zu diesem Nachmittag: nichts muss perfekt sein, aber vieles ist gewachsen.

Enge Freunde sind gekommen, darunter Heinz Schön, mit dem Dieter einst in London zusammen gearbeitet hat. Erinnerungen wandern durch die Babbel-Stube im Clemenshaus, werden angestoßen, ergänzt, manchmal auch liebevoll korrigiert. Glückwünsche treffen ein – aus Berlin, aus der Staatskanzlei, aus dem Rathaus. Doch im Mittelpunkt stehen zwei Menschen, die gelernt haben, miteinander zu leben.

Zwischen Berlin, London und Wiesbaden

Die Lebenswege der Mierschs verlaufen nicht gerade, sondern in Bögen. Dieter Miersch zieht es hinaus, er will arbeiten, lernen, die Welt sehen. London wird zu einer ersten großen Station. Dort arbeitet er als Koch, erlebt die Dynamik der Stadt – und erklärt seinem seinem Wiesbadener Freund Heinz Schön die U-Bahn. Er habe gesehen, wie alle Menschen dort verschwinden – , erinnert er sich.

Helga hält derweil die Verbindung. Sie schreibt Briefe, viele Briefe. Kein schneller Austausch, sondern geduldige Kommunikation, Wort für Wort, Seite für Seite. Ein Koffer voller Briefe bleibt bis heute erhalten – ein Archiv der Gefühle, lange bevor es E-Mails gibt.

Und dann gibt es diese Momente, die bleiben: ein Besuch bei den Wimbledon Championships. Grüner Rasen, gespannte Ruhe, ein Aufschlag – und ein Spieler, der das Spiel nicht nur spielt, sondern lebt. John McEnroe. „Der hat nicht einfach gespielt, der hat Theater gemacht“, erinnert sich der 88-Jährige Miersch. Temperamentvoll, laut, brillant. Für ihn ist das mehr als Sport. Es ist Atmosphäre, ein Stück Zeitgeschichte, das sich eingeprägt hat.

Bevor es nach Wiesbaden geht, führt sein Weg noch durch das Elsass und nach Baden-Baden. Besonders die Zeit rund um das Brenners Park-Hotel bleibt präsent. „Das waren prägende Jahre“, sagt er knapp. Viel mehr braucht er nicht, um zu beschreiben, was ihn dort formt.

Ein Tipp, eine Bewerbung – und plötzlich steht er vor einer neuen Aufgabe in Wiesbaden. Im Kaufhausrestaurant Hertie klopft ihm der Geschäftsführer auf die Schulter: „Sie machen das.“ Und er macht es. Von Anfang an trägt Dieter Miersch im Hertie Restaurant Verantwortung für rund 400 Sitzplätze, organisiert, entscheidet, führt. Vierzig Jahre lang. Auch den Umbau zum Selbstbedienungsrestaurant „Le Buffet“ geschieht unter seiner Fürung.

Und wenn er heute darüber spricht, blitzt Humor auf: „Dass es Hertie heute nicht mehr gibt, liegt nicht an mir.“ Kurze Pause. „Ich habe Hertie nicht heruntergewirtschaftet.“ Er lächelt. Mehr muss er nicht sagen.

Familie, Verantwortung und leise Stärke

Das Leben wird dichter, als die Familie wächst. Zwei Söhne kommen zur Welt. Axel, der ältere, lebt mit einer Behinderung – und verändert den Blick auf vieles. „Man lernt, anders zu denken“, sagt Helga Miersch. Aufgeben ist nie Option.

Die beiden engagieren sich, vernetzen sich mit anderen Eltern, helfen, wo Hilfe fehlt. Sie sammeln Geld, organisieren Unterstützung, verkaufen selbstgemachte Marmelade. „Wir haben einfach gemacht“, sagt Dieter. Kein großes Konzept, kein Pathos – nur der Wille, etwas zu bewegen.

Gleichzeitig suchen sie Ausgleich. In den Ferien geht es jahrelang nach Holland in den Zelturlaub. Dort fahren sie Tandem, Jahr für Jahr. „Drei Tandems haben wir verschlissen“, erzählt Dieter und lacht. Nicht aus Ehrgeiz, sondern aus Freude. Sohn Axel sitzt mit drauf, erlebt Geschwindigkeit, Wind, Freiheit. Es sind diese Momente, die bleiben – unspektakulär, aber tief. Radfahren verbindet und war zugleich Lebenselexier.

Jutta O’Such von der Ortsverwaltung Biebrich überbringt die Glückwünsche der Stadt, des Ortsbeirat und vom Land.

Glückwünsche von ganz oben – und ganz nah

Zur Eisernen Hochzeit treffen viele Glückwünsche ein. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein schreibt ebenso wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Auch Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende richtet Worte an das Paar.

„65 Jahre – das schafft nicht jeder“, liest eine Stimme aus der Runde. Man nickt, man hebt das Glas. Doch wichtiger als die großen Namen sind die kleinen Gespräche. Berlin, London, Radwege in Wiesbaden. „Ich kenne hier jeden Weg“, sagt Dieter. Und wenn keiner da ist, fuhr er früher einfach weiter – auf dem Gehweg. Einmal erinnert er sich, habe er in Biebrich einem Polizisten belehren müssen, nachdem er ihm das Radfahren auf dem Gehweg untersagt habe. Dem Polizisten war entgangen, dass rote Steine einen extra Radweg markierten und sah schnell den falschen Tadel ein.

Ein Leben, das weitergeht

65 Jahre Ehe sind kein Endpunkt. Sie sind Gegenwart. Helga und Dieter Miersch leben ihr Leben weiterhin gemeinsam – mit Humor, mit Erfahrung, mit einem ruhigen Blick auf das, was war und das, was noch kommt.

„Wir sind zufrieden“, sagt Helga. Ein einfacher Satz. Und vielleicht der wichtigste an diesem Tag.

Denn am Ende geht es nicht um große Worte. Es geht darum, dass zwei Menschen geblieben sind. Miteinander. Über Jahrzehnte hinweg.

Foto – Helga und Dieter Miersch stoßen mit Orangensaft auf 65 gemeinsame Ehejahre an. ©2025 Volker Watschounek

Weitere Nachrichten aus dem Stadtteil Biebrich lesen Sie hier

Mehr Informationen zum Clemenshaus in Wiesbaden Biebrich.

Diskutieren Sie mit

Diskutieren Sie mit

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert