Wohnen, Verkehr, Leerstand, Klima: „Wem gehört die Stadt?“ macht Wiesbadens Zukunft am Hessischen Staatstheater zum Bühnenstoff.
Wem gehört eine Stadt? Den Menschen, die in ihr wohnen? Jenen, die über Straßen, Wohnungen und Plätze entscheiden? Oder denen, die sie täglich benutzen, verändern und manchmal auch gegen Veränderungen verteidigen? Das Hessische Staatstheater macht aus dieser Frage nun einen Theaterabend.
Hessisches Staatstheater, kurz gefasst
Uraufführung Musiktheater – Metropolis Wiesbaden
Kosten: ab 12,00€
Wann: 2. Oktober 2026, 19:30 Uhr
Einführung: 18.45 Uhr Einführung
Wo: Hessisches Staatstheater, Karl-Zais-Straße 3, 65183 Wiesbaden
Wiesbaden wird selbst zum Stoff
Wem gehört die Stadt? Regisseur Helge Schmidt und sein Team suchen die Antworten nicht in einer erfundenen Bühnenwelt. Sie schauen auf Wiesbaden: auf Wilhelmstraße und Westend, Kurhaus und den leerstehenden SportScheck, auf Walhalla und Platz der Deutschen Einheit. Dahinter stehen Konflikte, die längst den Alltag bestimmen. Wer bekommt Raum? Wie bewegen sich Menschen durch die Stadt? Wo lässt sich noch bezahlbar wohnen? Und wie verändert die Hitze das Leben zwischen Häusern und Asphalt?
Damit greift Schmidt das Spielzeitmotto des Hessischen Staatstheaters auf und übersetzt es in lokale Erfahrungen. In seinem Stück fragt es „Wem gehört die Stadt?“ – und zugleich danach, wie eine gerechte und zukunftsorientierte Landeshauptstadt aussehen könnte.
Viele Stimmen statt fertiger Antworten
Für das Rechercheprojekt führten Schmidt und sein Team zahlreiche Interviews mit Menschen, die in Wiesbaden leben oder die Stadt mitgestalten. Hinzu kamen öffentliche Gesprächsrunden und eine anonyme Umfrage. Daraus entstand ein vielstimmiger Dialog, der unterschiedliche Lebenswirklichkeiten nebeneinanderstellt.
In Videoeinspielern treten unter anderem Vanessa Remy von der Projektleitung Walhalla, Ronny Maritzen aus dem Ortsbeirat Kastel und von der Initiative „Hände weg von OsKa“ sowie Ute Knippenberger, Geschäftsführerin der Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden, auf. Eine Pflege-Auszubildende, ein ehemals wohnungsloser Mensch und Schülerinnen und Schüler der IGS Kastellstraße erweitern die Perspektive.
Der Abend verhandelt Mobilität und Leerstand, Wohnen und Wohnungslosigkeit, Gesundheit, Klimakrise, Gemeinschaft und sogenannte Dritte Orte. Das geschieht dokumentarisch, soll aber ausdrücklich auch Humor zulassen. Der Chor der Stadt Wiesbaden begleitet das Rechercheprojekt musikalisch. Nach jeder Vorstellung lädt das Theater zum Gespräch ein – die Debatte soll also nicht mit dem Schlussapplaus enden.
Ein Regisseur für politische Stoffe
Helge Schmidt, 1983 in Schwerin geboren, studierte Theaterwissenschaft, Psychologie und Neuere deutsche Literatur in München und arbeitete später als Regieassistent am Thalia Theater. Politische und gesellschaftliche Stoffe prägen viele seiner dokumentarischen und halbdokumentarischen Arbeiten.
Für „Cum-Ex Papers“ erhielt Schmidt den FAUST-Preis, für „Tax for free“ den Rolf-Mares-Preis. 2022 wurde er in die Freie Akademie der Künste Hamburg gewählt, in der Spielzeit 2024/25 war er Stipendiat der Zeit Stiftung Bucerius.
Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden arbeitete Schmidt bereits an „Unser Erbe: Tax me, if you can“, einem Dokumentartheaterabend über Erbschaftssteuer und Demokratie. „Wem gehört die Stadt?“ ist seine zweite Zusammenarbeit mit dem Haus. Die Fassung stammt von Helge Schmidt und Cosma Corona Hahne.
Vielleicht liegt gerade darin der Reiz dieses Abends: Wiesbaden schaut auf Wiesbaden – und das Theater wird für einige Stunden zum Ort, an dem eine Stadt über sich selbst spricht.
Foto – Wem gehört die Stadt? ©2026 Max Borchardt
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Erstveröffentlichung: 28.09.2026


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