Zum 100. Geburtstag verbindet die Caligari FilmBühne historische Stummfilme mit neuer Musik, Vorträgen und jungen Talenten.
Ein Filmvorführer träumt sich selbst auf die Leinwand. Ein Prinz reitet auf einem fliegenden Pferd durch eine Welt aus Scherenschnitten. Laurel und Hardy versuchen vergeblich, ihre Hosen zu tauschen. Und während auf der Leinwand das Kino von gestern flimmert, entsteht die Musik dazu im Saal neu. Die Caligari FilmBühne feiert ihren 100. Geburtstag nicht mit nostalgischem Rückblick, sondern mit einem Experiment: Sie lässt das Stummfilmkino wieder lebendig werden.
100 Jahre Caligari FilmBühne – Programm auf einen Blick
Eintritt: Stummfilmkonzerte 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, mit Wiesbadener Filmkunstkarte 10 Euro | Kinder-Stummfilmkonzerte: 5 Euro | Zuschlag für Überlänge: ab 130 Minuten 1 Euro.
| Datum | Uhrzeit | Programm | Format |
|---|---|---|---|
| So., 6. September | 19 Uhr | Der Geiger von Florenz | Stummfilm · Neuinterpretation |
| Fr., 25. September | 19 Uhr | Nach dem Gesetz | Stummfilm · Neukomposition |
| Do., 8. Oktober | 17.30 Uhr | Filme: sehen und hören! | Vortrag mit Filmbeispielen |
| So., 11. Oktober | 17 Uhr | Von Caligari zu Hitler | Film & Gespräch |
| Do., 22. Oktober | 19 Uhr | Die Abenteuer des Prinzen Achmed | Stummfilm · Neukomposition |
| Mo., 9. November | 19 Uhr | Drei Filme von Ella Bergmann-Michel | Stummfilm & Vortrag · Neukomposition |
| So., 29. November | 11 Uhr | Stummfilm für Kinder | Kurzfilme mit Live-Musik · ab 5 Jahren |
| So., 6. Dezember | 11 Uhr | Stummfilm für Kinder | Kurzfilme mit Live-Musik · ab 5 Jahren |
| So., 6. Dezember | 19 Uhr | Dancing Mothers | Stummfilm |
| So., 20. Dezember | 18 Uhr | Kino-Varieté – Abschlussgala | Stummfilm · Neukomposition · Buster Keaton |
Ort: Caligari FilmBühne, Marktplatz 9, Wiesbaden
Am Sonntag, 6. September, startet im historischen und eben erst renovierten Lichtspielhaus am Marktplatz die Jubiläumsreihe. Acht Stummfilmkonzerte, fünf Neukompositionen und drei Vortragsveranstaltungen schlagen bis Dezember eine Brücke zwischen dem Kino der Weimarer Republik und der Gegenwart.
Ein Kinosaal erzählt seine eigene Geschichte
Der Ort könnte kaum besser passen. Die heutige Caligari FilmBühne gehört zu den wenigen vollständig erhaltenen Kinogebäuden aus der Stummfilmzeit. Im Dezember 1926 öffnete das Haus als „Ufa-Palast“. Hundert Jahre später kehrt nun jene Kunstform zurück, für die solche Säle einst gebaut wurden.
Kuratorin Nina Goslar hat fünf Filme ausgewählt, die zeigen sollen, wie vielfältig das Kino bereits 1926 erzählte. Goslar arbeitete lange als Stummfilmredakteurin bei ZDF und Arte und erhielt 2020 den Deutschen Stummfilmpreis. Dabei soll die Musik die historischen Bilder nicht bloß dekorieren. „Die Musiken betreiben keine nostalgische Rückschau, sondern schaffen einen Resonanzraum, in dem sich historische Bezüge und moderne Spieltechniken treffen“, sagt Goslar.
Drei Filmmusiken entstehen eigens für die Jubiläumsreihe.
Von Lotte Reiniger bis Buster Keaton
Zum Auftakt läuft am 6. September Paul Czinners Verwechslungskomödie „Der Geiger von Florenz“. Ein vierköpfiges Ensemble um Violinist Diego Ramos Rodríguez spielt dazu Uwe Dierksens Musik. Am 25. September folgt Lew Kuleschows „Nach dem Gesetz“. Uwe Oberg am Piano und Rudi Fischerlehner am Schlagzeug interpretieren den sowjetischen „Western aus dem Osten“ neu.
Einen besonderen Platz nimmt am 22. Oktober Lotte Reinigers „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ ein. Der erste abendfüllende Trickfilm der Filmgeschichte trifft auf das deutsch-iranische Ensemble Tanava und dessen Verbindung unterschiedlicher musikalischer Traditionen.
Auch weniger bekannte Filmgeschichte bekommt Raum. Am 9. November rückt die Reihe Arbeiten der Frankfurter Filmemacherin Ella Bergmann-Michel ins Zentrum und verbindet einen wissenschaftlichen Vortrag mit eigens komponierter Musik.
Kinder machen den Stummfilm hörbar
Die Caligari FilmBühne richtet den Blick zugleich auf die nächste Generation. Schüler der Wiesbadener Musik- und Kunstschule entwickeln unter Leitung der Komponistin Barbara Lenz eine Live-Begleitung für frühe Kurzfilme. Cello und Klavier treffen dabei auf Orff-Instrumente, mit denen die jungen Musiker Feueralarm, Zugsignale oder Wind hörbar machen. Zwei Kinder-Stummfilmkonzerte am 29. November und 6. Dezember bringen das Projekt auf die Bühne.
Buster Keaton beschließt das Jubiläum
Das Finale folgt am 20. Dezember. Mitglieder des Ensemble Modern gestalten gemeinsam mit Diego Ramos Rodríguez ein Kino-Varieté aus historischen Wiesbadener Filmaufnahmen, Wochenschau, Musik und Gesang. Am Ende gehört die Leinwand Buster Keaton. In „Sherlock Jr.“ von 1924 spielt er einen Filmvorführer, der davon träumt, selbst Teil des Films zu werden. Ein passender Schlusspunkt für ein Kino, das nach hundert Jahren zeigt, wie gegenwärtig seine Vergangenheit klingen kann.
Foto – Eine historische Filmszene an der Kinokasse erinnert an die Ära des Stummfilms. ©2026 Verleih / LH Wiesbaden
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