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Teilnehmende und Betreuer des internationalen Jugendaustauschs der BauHaus-Werkstätten sitzen gemeinsam auf einer großen Treppe. Die Begegnung in Wiesbaden ist Teil des START-Projekts und bringt junge Menschen aus Frankreich und Deutschland zusammen.

BauHaus-Werkstätten: START bringt Europa nach Wiesbaden

Zehn Jugendliche aus Frankreich treffen zwölf junge Menschen aus Wiesbaden: Die BauHaus-Werkstätten machen Europa persönlich. Nach Segeltörn und Paris-Reise endet die Begegnungsreihe in Wiesbaden – doch mit einer Jugendgruppe aus Albanien wächst das Projekt künftig weiter.

Volker Watschounek 1 Monat vor 0

Jugendliche aus Frankreich treffen Gleichaltrige aus Wiesbaden. Die BauHaus-Werkstätten machen Europa persönlich.

Wie Europa für junge Menschen erfahrbar wird

Zehn Jugendliche aus Frankreich, zwölf junge Menschen aus Wiesbaden und eine Woche, in der Europa plötzlich nicht mehr nach Politik, Institutionen und Verträgen klingt. Beim internationalen Austausch der BauHaus-Werkstätten ging es um Begegnungen, gemeinsame Erlebnisse – und um Erfahrungen, die keineswegs allen jungen Menschen offenstehen.

Die französische Gruppe besuchte Wiesbaden im Rahmen des START-Projekts. Zusammen mit Wiesbaden international organisierten die BauHaus-Werkstätten auch in diesem Jahr wieder eine Woche, die eine längere Begegnungsreihe abschloss. Die Teilnehmer kannten sich bereits: Im August 2025 waren sie gemeinsam segeln, im April 2026 reisten die Wiesbadener nach Paris. Nun trafen sie sich in der hessischen Landeshauptstadt wieder.

START begleitet auf dem Weg in den Beruf

Hinter dem Austausch steckt mehr als eine klassische Jugendbegegnung. Seit 2018 arbeiten die BauHaus-Werkstätten mit Maison de l’Europe 94 aus Paris zusammen. Beide Einrichtungen unterstützen Jugendliche und junge Erwachsene beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf. Genau dort setzt START an. Das niedrigschwellige Projekt der BauHaus-Werkstätten begleitet junge Menschen beim Einstieg ins Berufsleben.

Die internationale Begegnung ergänzt die berufliche Förderung um eine besondere Erfahrung: Wer sich in einer fremden Umgebung zurechtfindet, Menschen aus einem anderen Land kennenlernt und trotz sprachlicher Unterschiede verständigt, gewinnt mehr als die Erinnerung an einen Ausflug. Für Jugendliche, die sonst kaum Gelegenheit zu einem Auslandsaufenthalt hätten, öffnet sich so ein Stück Europa, das nicht abstrakt bleibt.

Wiesbaden wird zum internationalen Treffpunkt

Während ihres Besuchs lernten die französischen Gäste Wiesbaden von unterschiedlichen Seiten kennen. Zusamen mit den Teilnehmern aus Wiesbaden besuchten sie unter anderem die Fasanerie, das Schloss Freudenberg und die Russische Kapelle. Auch eine Fahrt mit der Thermine gehörte zum Programm.

Dabei ging es nicht darum, möglichst viele Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Die gemeinsamen Unternehmungen schufen Raum für Gespräche und Situationen, in denen sich die Jugendlichen näher kennenlernen konnten. Aus Gästen und Gastgebern wurde für einige Tage eine gemeinsame Gruppe.

Darin liegt die Idee solcher Begegnungen. Politische Bildung findet nicht nur im Unterricht oder bei Diskussionen über europäische Institutionen statt. Sie entsteht auch, wenn junge Menschen erleben, wie selbstverständlich Zusammenarbeit über Grenzen hinweg funktionieren kann.

Die Organisatoren verstehen internationale Jugendbegegnungen als gelebte politische Bildung und als Beitrag zu einem geeinten Europa. Der große Begriff bekommt im Alltag eine konkrete Bedeutung: gemeinsam unterwegs sein, Unterschiede entdecken, miteinander reden – und feststellen, dass vieles weniger fremd ist, als es zunächst erscheint.

Drei Begegnungen, drei Erfahrungen

Die Woche in Wiesbaden bildete den dritten Teil einer Begegnungstrilogie. Sie begann im August 2025 mit einem gemeinsamen Segeltörn. Im April 2026 wechselten die Rollen: Die Wiesbadener Jugendlichen reisten nach Paris und lernten dort die Stadt und ihre französischen Partner näher kennen.

Mit dem Gegenbesuch in Wiesbaden schloss sich nun der Kreis. Die Teilnehmer trafen sich nicht nur einmal, sondern kamen über einen längeren Zeitraum immer wieder zusammen. So wuchsen Kontakte, verschwanden Unsicherheiten und aus ersten Gesprächen entstand Vertrautheit. Beim Abschluss im Wiesbadener Rathaus zeigte sich, was von der gemeinsamen Zeit geblieben war. Die Jugendlichen präsentierten Fotos ihrer Woche und blickten auf ihre Erlebnisse zurück.

Die Sozialdezernentin Patricia Becher a. D. empfing die Gruppe und führte sie durch Teile des Rathauses. Anschließend erhielten die Teilnehmer Zertifikate für ihre Mitwirkung an der internationalen Begegnung. Für die Stadt nahmen außerdem Conny Meyne und Tom Schwarze vom „Netzwerk Wiesbaden Weltweit“ teil.

Die Veranstalter beschrieben die Atmosphäre als geprägt von einer „beidseitig offenen Grundhaltung“. Was zunächst formal klingt, zeigte sich beim gemeinsamen Rückblick ganz praktisch: Die Jugendlichen hatten miteinander etwas erlebt, statt nur übereinander zu sprechen.

Aus einer Verbindung wird ein Dreieck

Mit dem Treffen im Rathaus endet zwar diese Begegnungsreihe, nicht aber die Zusammenarbeit. Die nächste Trilogie ist bereits geplant – und sie soll wachsen. Künftig kommt eine Jugendgruppe aus Albanien hinzu. Aus der bisherigen Verbindung zwischen Paris und Wiesbaden entsteht ein Dreieck zwischen Tirana, Paris und Wiesbaden. Jede Gruppe soll einmal Gastgeber sein und die Jugendlichen aus den beiden anderen Städten empfangen.

Damit verändert sich die Dynamik des Austauschs. Statt zweier Länder treffen künftig drei Gruppen mit unterschiedlichen Lebenswelten, Erfahrungen und Perspektiven aufeinander. Für die Jugendlichen bedeutet das: neue Begegnungen, wechselnde Gastgeberrollen und die Erfahrung, dass Europa weit über die vertraute deutsch-französische Verbindung hinausreicht.

Gruppenfoto – Jugendaustausch ©2026 LH Wiesbaden

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