370 Aktenordner, geschwärzte Seiten und offene Fragen: Der Corona-Untersuchungsausschuss nimmt in Hessen Fahrt auf.
Der Corona-Untersuchungsausschuss arbeitet sich vor – und stößt dabei auf Papier. Viel Papier. In seiner siebten Sitzung beschließt das Gremium neue Beweisanträge, getragen von allen fünf Fraktionen. Ein seltenes Bild der Einigkeit, zumindest auf dem Papier.
Gleichzeitig liefern die Ministerien nach: Mehr als 370 Aktenordner treffen ein, ergänzt durch digitale Dokumente. Wer sie nebeneinander stapelt, baut sich ein Archiv, das eher an ein kleines Amt erinnert als an ein politisches Kontrollinstrument. Doch genau hier beginnt die eigentliche Arbeit: lesen, vergleichen, hinterfragen.
Geschwärzte Wahrheit
Ganz transparent bleibt das Ganze nicht. Die Verwaltung schwärzt personenbezogene private Daten, wie es der Datenschutz verlangt. Das schützt Einzelne – erschwert aber auch die politische Rekonstruktion. Zwischen schwarzen Balken und fehlenden Kontexten müssen die Abgeordneten rekonstruieren, was entschieden wurde, warum es entschieden wurde – und wer dabei welche Rolle spielte. Mit begründetem Anlass können die geschwärzten Bereiche Landtagsverwaltung gezielt angefordert werden.
Weitere Unterlagen kündigen einige Ministerien bereits an. Der Berg wächst also weiter. Wer gehofft hat, die Pandemie ließe sich schnell aufarbeiten, merkt jetzt: Das wird ein Marathon, kein Sprint.
Zeugen, Experten, Erinnerungslücken
Nach der Sommerpause ändert sich der Takt. Dann treten Menschen an die Stelle von Akten. Zeugen sollen berichten, erklären, verteidigen. Die Fraktionen benennen zudem jeweils zwei Sachverständige. Ab September 2026 beginnt die Befragung.
Und damit auch die Phase, in der Erinnerung auf Dokumentation trifft. Was wurde wann gewusst? Wer hat wann gehandelt? Und wer sagt heute etwas anderes als damals? Politische Aufarbeitung lebt von diesen Spannungen – und von der Bereitschaft, Widersprüche auszuhalten.
Aufklärung mit offenem Ausgang
Der Untersuchungsausschuss verspricht Aufklärung. Doch er garantiert sie nicht. Zu komplex sind die Abläufe, zu dicht die Krisenentscheidungen, zu groß der zeitliche Abstand. Was bleibt, ist der Versuch, Ordnung in eine Ausnahmesituation zu bringen. Und vielleicht die Erkenntnis: Krisen lassen sich schnell managen – aber nur langsam verstehen.
Symbolfoto – Corona-Untersuchungsausschuss in Hessen: 370 Akten, neue Beweisanträge und Zeugenanhörungen ab Herbst. ©2026 KI-generiert
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