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Schulterschluss, um auf die regionalen Auswirkungen des geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes aufmerksam zu machen (v.l.n.r.): Martin Bosch (Geschäftsführer St. Josefs-Hospital Wiesbaden), Guido Wernert (Geschäftsführer St. Vincenz Gesundheits-Verbund), Prof. Dr. Thomas Neuhaus (Ärztlicher Direktor St. Vincenz Gesundheits-Verbund) und Arne Evers (Prokurist für Pflege und Prozesse St. Josefs-Hospital Wiesbaden)

Katholische Kliniken warnen vor Versorgungskrise

Die katholischen Kliniken in Wiesbaden und Limburg schlagen Alarm: Neue Sparpläne des Bundes könnten Pflege, Notaufnahmen und ambulante Versorgung massiv belasten. Die Krankenhausverbünde warnen vor weniger Zeit für Patienten, wachsendem Druck auf Teams – und einer Versorgungskrise, die längst begonnen habe.

Volker Watschounek 3 Stunden vor 0

Katholische Kliniken warnen vor den Folgen neuer Sparpläne: Weniger Personal, mehr Bürokratie und wachsender Druck auf die Versorgung in der Region.

Die Kritik kommt ungewöhnlich geschlossen. Mit einer gemeinsamen Warnung wenden sich der St. Vincenz Gesundheits-Verbund und der St. Josefs-Hospital Verbund gegen die geplanten Einsparungen im Gesundheitswesen. Anlass ist das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz des Bundes. Was auf den ersten Blick nach einer technischen Reform klingt, könnte nach Ansicht der Klinikverantwortlichen erhebliche Folgen für die medizinische Versorgung in der Region haben.

Die beiden Klinikverbünde befürchten, dass Krankenhäuser, Notaufnahmen und ambulante Versorgungsangebote zunehmend unter finanziellen Druck geraten. „Wenn das System spart, zahlen am Ende die Menschen den Preis“, sagt Guido Wernert, Geschäftsführer des St. Vincenz Gesundheits-Verbundes. Die aktuellen Pläne würden nach Berechnungen der Kliniken ab 2027 zu spürbaren Einnahmeverlusten führen, während Kosten und gesetzliche Anforderungen weiter steigen.

Einrichtungen mit regionaler Verantwortung

Besonders betroffen sehen sich freigemeinnützige Träger wie die Katholischen Kliniken. Anders als private Krankenhauskonzerne oder kommunale Häuser könnten sie ihre Defizite weder über Gewinne aus anderen Geschäftsbereichen noch über kommunale Zuschüsse ausgleichen. „Unsere Häuser stehen in unterschiedlichen Versorgungsregionen, aber wir teilen dieselben Werte: menschliche Nähe, Verantwortung und eine hochwertige Versorgung“, erklärt Martin Bosch, Geschäftsführer des St. Josefs-Hospital Verbunds. Genau diese Form der Gesundheitsversorgung gerate nun zunehmend unter Druck.

Die Verantwortlichen verweisen darauf, dass zahlreiche medizinische Angebote bewusst vorgehalten werden, obwohl sie wirtschaftlich kaum rentabel sind. Dazu zählen spezialisierte Ambulanzen ebenso wie Angebote für Kinder oder Menschen mit komplexen Erkrankungen. Gerade diese Strukturen seien jedoch unverzichtbar für die regionale Gesundheitsversorgung.

Mehr Bürokratie, weniger Zeit für Patienten

Auch die medizinischen Folgen beschäftigen die Verantwortlichen. Prof. Dr. Thomas Neuhaus, Ärztlicher Direktor des St. Vincenz Gesundheits-Verbundes, sieht einen direkten Zusammenhang zwischen finanziellen Kürzungen und der Qualität der Patientenversorgung. „Wir brauchen Zeit zum Zuhören, zum Verstehen und für Angehörigengespräche“, sagt Neuhaus. Genau diese Zeit werde jedoch immer knapper. Gleichzeitig wachse der bürokratische Aufwand weiter. Künftig müssten leitende Ärzte zahlreiche zusätzliche Prüfungen und Gutachten für den Medizinischen Dienst erstellen. Stunden, die dann für die Behandlung von Patienten fehlten.

Nach Einschätzung der Klinikleitungen könnte das langfristig zu längeren Wartezeiten, einer höheren Belastung der Mitarbeitenden und einer zunehmenden Verdichtung der Arbeitsabläufe führen. Das sei vor dem Hintergrund des ohnehin bestehenden Fachkräftemangels besonders kritisch zu sehen.

Pflege sieht Rückschritte befürchtet

Auch in der Pflege stoßen die Pläne auf Widerstand. Arne Evers, Prokurist für Pflege und Prozesse in Wiesbaden, warnt, dass bereits etablierte Entlastungsmaßnahmen wieder zurückgebaut werden müssten. Dazu zählen etwa Patiententransportdienste, digitale Unterstützungssysteme oder organisatorische Hilfsstrukturen.

Diese Angebote seien geschaffen worden, um Pflegekräfte von Nebentätigkeiten zu entlasten und ihnen mehr Zeit für die direkte Versorgung der Patienten zu ermöglichen. Würden die Finanzmittel dafür wegfallen, müssten Pflegefachkräfte wieder Aufgaben übernehmen, die bislang andere Berufsgruppen erledigen.

Kliniken fordern Nachbesserungen

Trotz der deutlichen Kritik stellen sich die Katholischen Kliniken nicht grundsätzlich gegen Reformen. Im Gegenteil: Die Häuser sehen die Notwendigkeit, die Finanzierung des Gesundheitswesens langfristig zu stabilisieren. Sie fordern jedoch realistische Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und eine vollständige Refinanzierung tariflicher Personalkosten.

„Wir übernehmen Verantwortung und leisten unseren Beitrag“, betont Bosch. Reformen dürften jedoch nicht dazu führen, dass genau jene Einrichtungen geschwächt werden, die die medizinische Versorgung vor Ort sicherstellen. Die Geschäftsführer appellieren deshalb an die Bundesregierung, die Auswirkungen der geplanten Maßnahmen auf Krankenhäuser, Beschäftigte und Patienten noch einmal kritisch zu überprüfen.

Foto – Schulterschluss, um auf die regionalen Auswirkungen des geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes aufmerksam zu machen (v.l.n.r.): Martin Bosch (Geschäftsführer St. Josefs-Hospital Wiesbaden), Guido Wernert (Geschäftsführer St. Vincenz Gesundheits-Verbund), Prof. Dr. Thomas Neuhaus (Ärztlicher Direktor St. Vincenz Gesundheits-Verbund) und Arne Evers (Prokurist für Pflege und Prozesse St. Josefs-Hospital Wiesbaden) ©2026 Joho

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