Mit neuen Stolpersteinen hält Wiesbaden die Erinnerung an NS-Opfer wach. Angehörige und Schüler machten ihre Geschichten sichtbar.
„Nie wieder ist jetzt.“ Der Satz fällt derzeit häufig. Bei der jüngsten Stolpersteinverlegung in Wiesbaden bekam er eine sehr persönliche Bedeutung. Stefan Vogl, Enkel eines KZ-Überlebenden, stand vor dem Haus Wilhelmstraße 6 und erzählte von einer Familiengeschichte, über die lange geschwiegen worden war.
Erst der Kontakt zu einer Gedenkstätte brachte ihn dazu, nachzuforschen. „Mir wurde klar: Geschichte kann man konkret machen. Denn sie besteht immer aus dem Handeln Einzelner“, sagte Vogl. Nun erinnern vor dem früheren Wohn- und Arbeitsort zwei Stolpersteine an seine Großeltern Werner und Margarethe Vogl. Werner Vogl führte dort als Neurologe eine Praxis, seine Frau Margarethe war Jüdin.
Aktives Museum Spiegelgasse verlegt 823. Stolperstein
Mit der jüngsten Aktion hat das Aktive Museum Spiegelgasse die Zahl der Stolpersteine in Wiesbaden auf 823 erhöht. Sie liegen vor 446 Häusern. Zwei weitere Steine sollen im Herbst folgen. An den aktuellen Verlegungen nahmen nach Angaben des Museums insgesamt 255 Menschen teil.
Das vom Kölner Künstler Gunter Demnig initiierte Projekt bringt Erinnerung bewusst in den Alltag. Die kleinen Messingtafeln liegen dort, wo Verfolgte des Nationalsozialismus ihren letzten selbst gewählten Wohnort hatten.
Wie unmittelbar diese Form des Gedenkens wirken kann, zeigte sich in der Taunusstraße 19. Dort erinnern fünf Stolpersteine an die Familie Wolf. Schüler der Mittelstufenschule Dichterviertel und des Campus Klarenthal hörten, wie Arthur und Jenny Wolf, ihre Kinder Siegfried und Günther sowie Paulina Wolf verfolgt und ermordet wurden. Ein Klassenfoto zeigte Günther im Alter von zwölf Jahren – kaum älter als viele der Jugendlichen, die an diesem Tag vor dem Haus standen.
Nachkommen reisen aus aller Welt an
Auch andere Biografien rückten wieder ins öffentliche Bewusstsein. In der Parkstraße erinnert ein Stolperstein an die Fotografin Martha Wolff, Schwester des Journalisten Theodor Wolff. Für Martha Keiles kamen 15 Angehörige bis aus Australien zur Karlstraße 10.
Eine Premiere gab es in der Röderstraße 6: Dort erinnert erstmals ein Wiesbadener Stolperstein an einen verfolgten Zeugen Jehovas. Der Stein trägt den Namen Albert Wandres.
Die Patenschaften finanzieren Bürger, Ortsbeiräte, Schulklassen und Konfirmandengruppen. Ein Stolperstein kostet 120 Euro. So wächst das dezentrale Mahnmal weiter – Haus für Haus, Name für Name und mitten im Wiesbadener Alltag.
Symbolfoto – Stolpersteine ©2026 LH Wiesbaden
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Weitere Informationen: Liste der Stolpersteine in Wiesbaden.



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