Wiesbadener Unternehmen setzen auf Kurzarbeit, um Arbeitsplätze zu sichern. Die Arbeitsagentur organisiert sich im laufenden Betrieb und sichert Leistungsauszahlungen.

Wie in der Wirtschaftskrise 2008/2009 setzen Hessens und Wiesbadens Unternehmen auf Kurzarbeit. Damit wollen die Unternehmer vor allem die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter sichern und so die eingearbeiteten Kollegen an den Betrieb binden. War vor zwölf Jahren vor allem die Industrie von der krisenhaften Entwicklung betroffen, steht die Weltwirtschaft heute vor einer ganz anderen Herausforderung.

„Wir erleben eine Mischung aus Virus, Strukturwandel und Krise. Angesichts des weitgehenden Shut-Down stehen nicht nur Förderbänder in den Fabriken still, vielmehr sind auch Läden, Restaurants und Friseursalons geschlossen worden und Flugzeuge bleiben am Boden.“ – Alexander Baumann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Wiesbaden

Es ist somit davon auszugehen, dass die Zahl der Kurzarbeiter in der Spitze erheblich höher ausfallen wird als vor zwölf Jahren. Eine stabile Datenbasis, auf der wir das abschätzen können, haben wir noch nicht. Das liegt am Prozessablauf: Denn wenn Betriebe Kurzarbeit planen, müssen sie das bei der Agentur für Arbeit zunächst anzeigen. Ohne Anzeige ist später keine Zahlung möglich, so Baumann weiter.

„Wenn tatsächlich kurzgearbeitet wird, kann der Betrieb innerhalb von drei Monaten die erforderliche Abrechnungsliste einreichen. Erst danach haben wir endgültige Daten darüber, wie viele Personen genau kurzgearbeitet haben, in welcher Branche und wie groß der Arbeitsausfall war.“ – Alexander Baumann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Wiesbaden

Der erste und bislang einzige Anhaltspunkt, den die Arbeitsagenturen aktuell haben, sei die Zahl der Anzeigen von Unternehmen, die in den Agenturen eingehen. Auch hier gebe es Unschärfen: Aktuell greifen sehr viele auch kleinere Betriebe auf Kurzarbeit zurück. Die Arbeitsbelastung in den Agenturen für Arbeit sei somit derzeit extrem hoch und ein Teil der Anzeigen noch nicht erfasst. Da die Arbeitgeber verständlicherweise im Moment alle Kanäle nutzen. Sie melden sich per Mail, über die Website und telefonisch. Im Zweifel führe das dazu, dass für das gleiche Unternehmen dreimal die gleiche Anzeige von Kurzarbeit vorliege. Dies könne erst im Bearbeitungsprozess bereinigt werden. Letztlich würden die Anzeigen stark variieren, so Baumann weiter.

„Hinter einer Anzeige von Kurzarbeit kann sich ein kleiner Gastronomiebetrieb mit drei Mitarbeitern verbergen – genauso ein großer Konzern mit mehreren Tausend.“ – Alexander Baumann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Wiesbaden

Die Agentur für Arbeit in Wiesbaden versteht, dass angesichts der Dynamik eine Antwort auf die Frage, wie sich der Arbeitsmarkt und die Kurzarbeit entwickeln, drängend und wichtig ist. Die Agentur geht davon aus, dass im Agenturbezirk Wiesbaden bislang insgesamt rund 2.100 Anzeigen zu Kurzarbeit eingegangen sind. Zum Teil sind die Anzeigen bereits geprüft und erfasst, teils aber eben auch noch nicht. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2019 gingen im Agenturbezirk insgesamt 41 Anzeigen ein.

„Genauere Informationen zu den aktuellen Anzeigen haben wir erst, wenn diese vollständig erfasst sind. Deshalb können wir auch nichts über mögliche Summen oder Kosten für die Bundesagentur für Arbeit (BA) sagen, auch wenn wir wissen, dass gewisse Summen im Raum stehen.“– Alexander Baumann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Wiesbaden

Seit der Krise 2008/2009 hat die BA nach Angaben des Agenturchefs eine Rücklage in Höhe von 26 Milliarden Euro gebildet, die genau für solche Fälle eingesetzt werde. Sollte das nicht reichen, erhalte die Agentur Zuschüsse vom Bund. Das war auch in der Finanz- und Wirtschaftskrise so.

„Klar ist: Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld sind Pflichtleistungen. Wer einen Anspruch hat, erhält diese Leistung. Ohne Wenn und Aber!“ – Alexander Baumann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Wiesbaden

Laut Baumann organisiere sich die BA im laufenden Geschäft um, damit die Anträge schnell und unbürokratisch abgearbeitet werden können. So seien normalerweise bundesweit 900 Mitarbeiter für die Bearbeitung des Kurzarbeitergeldes zuständig. Bis Ende der letzten Woche sei das Personal bereits auf das 2,5-fache aufgestockt worden. Das sei aber erst der Anfang. Derzeit schule die BA kontinuierlich weiter, um das Personal für Bearbeitung des Kurzarbeitergelds bis Ende dieser Woche zu verfünffachen. Auch die Telefonie sei personell erheblich ausgebaut worden. Waren bis dato bundesweit 4000 Mitarbeiter an der Service-Hotline tätig, sind es derzeit 18000. Hinter all diesen Zahlen verberge sich ein enormer Schulungs- und IT-Aufwand, denn es müssten auch Berechtigungen für die einzelnen Fachverfahren eingerichtet werden, da BA-Mitarbeiter aus Datenschutzgründen nur auf Daten und Programme der eigenen Fachverfahren zugreifen dürfen. ∆

Arbeitgeber finden alle Informationen zu Kurzarbeit hier: www.arbeitsagentur.de/kurzarbeit

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Die offizielle Internetseite der Agentur für Arbeit in Wiesbaden finden Sie unter www.arbeitsagentur.de.

 

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